Merken wir uns das Datum: 7. August 2015. Erstmals wird an diesem Tag das Europäische Verdienstkreuz am Bande verliehen, vor der Vertretung der EU-Kommission, Unter den Linden 78, 9 Uhr 30. Geehrt werden Fluchthelfer, „die sich dafür einsetzen, dass alle Menschen in Europa Reisefreiheit genießen“, so die Pressemitteilung.

Fluchthilfe habe in Deutschland und Europa eine lange Tradition, von den wenigen Widerstandskämpfern gegen das NS-Regime bis zur DDR, als, von der breiten Masse getragen, Mitbürger von der anderen Seite der Mauer durch Tunnel und präparierte Autos in den Westen geschleust wurden. „Auch heute, innerhalb der Europäischen Union, wird Fluchthilfe geleistet, und von weiten Teilen der Bevölkerung unterstützt.“ Deshalb: Ehre den Fluchthelfern.

Sie glauben das nicht? Sie trauen der EU und der deutsche Regierung soviel Menschlichkeit nicht zu? Es ist eine Unternehmung der Berliner Aktionskünstler vom Peng Kollektiv. Ist es Kunst und also nur eingeklammert ernst zu nehmen? Diese Frage ist sekundär. Das Verdienstkreuz wird tatsächlich verliehen, das europäische Desaster im Umgang mit Flüchtlingen gibt es wirklich.

Das Peng Kollektiv zitiert aus der Antrittsrede Joachim Gaucks für sein Amt als Bundespräsident: „Freiheit ist eine notwendige Bedingung von Gerechtigkeit.“

Anna Weissenfels, eine der Aktivistinnen, sagt: „Die deutsche Politik redet gerne von Freiheit und Gerechtigkeit, aber diese Werte lassen sie dann nur für Menschen gelten, die in Europa geboren wurden.“ Deshalb ruft das Peng Kollektiv mit einem Video zur Fluchthilfe auf: Wer im Ausland auf einreisewillige Flüchtlinge trifft, soll sie im Auto mit nach Deutschland bringen. Das ist zwar illegal, „doch das eigentliche Urteil wird nicht vor Gericht, sondern in den Geschichtsbüchern gesprochen“, verkündet der Fluchthelfer-Werbefilm. „Wir reden immer von Freiheit und Gleichheit für alle. Aber wir sind denn diese „alle“?“

Das ist die Frage. Die Unmenschlichkeit der europäischen Flüchtlingspolitik ist so offenkundig wie die Hilflosigkeit der Politik. Und jeder weiß im Grunde, dass Europa von seinem Reichtum gehörig wird abgeben müssen, einem Reichtum der häufig genug auf Ausbeutung all jener beruht, die jetzt nach Europa wollen – als Wagenburg wird Europa nicht überleben.

Die Botschaft des Peng Kollektiv lautet: auf die Politik zu hoffen, ist vertane Zeit. Es fordert zum zivilen Ungehorsam auf. Ist das politische Selbstermächtigung? Darf man das oder soll man das tun? Darauf zu antworten, ist nicht die Aufgabe von EU-Kommissionen, sondern die jedes Einzelnen.