Mekka, die heiligste Stadt des Islam, ist für Nicht-Muslime seit jeher verboten. Hierher dürfen nur diejenigen kommen, die, den Geboten des Koran folgend, beten, meditieren, die Gemeinde der Gläubigen erfahren wollen. Es ist Tradition, dass die Mächtigen des Islam, Kalifen, Sultane, Emire, der Großen Moschee in Mekka die Ausstattung stiften, ebenso, dass man sich nahe der Stadt beerdigen lässt, um Gott möglichst nahe zu sein.

Und nun sehen wir in der neuesten Ausstellung des Pergamonmuseums „Roads of Arabia“ eine gewaltige Prachttür aus osmanischen Zeiten, zart ziseliertes Silberblech auf Holz, sowie einen riesigen Prachtvorhang. Einst schmückten sie die Kaaba, den heiligsten Ort des Islam. Kostbare Schlösser liegen da und Gerätschaften, um Weihrauch zu verbrennen, Zeitmesser, im gemeinschaftlichen Kreis stehen herrlich beschriftete Grabsteine von einem Friedhof bei Mekka

Kurz: Diese Objekte, die aus dem Nationalmuseum in Riad, aus Museen in Jidda Medina und Mekka stammen, haben dank ihrer Musealisierung, also Ent-Sakralisierung eine Grenze überwunden, die für die meisten von uns unüberwindlich ist. So nahe wie hier in Berlin kommen Nicht-Muslime dem Mythos Mekka wohl nie wieder.

Ent-Sakralisierung islamischer Objekte

Museen in Saudi-Arabien? Ent-Sakralisierung islamischer Objekte in einem Land, das den Koran als Verfassung bezeichnet, die Scharia als Grundlage aller Gesetze? Wer vermutet, dass dort das mit 601 Metern zweithöchste Hochhaus der Welt, direkt neben der Großen Moschee in Mekka errichtet werden durfte? Es ist, als wenn italienische Immobilienhaie direkt neben St. Peter in Rom gebaut hätten. Unvorstellbar. In Saudi-Arabien aber gelten offenbar andere Würde-Vorstellungen.

Dazu gehörte bis vor kurzer Zeit, dass die vor-islamische Vergangenheit zwischen Persischem Golf und Rotem Meer vielen Mächtigen in Saudi-Arabien als obskur galt. Alles, was nicht islamisch schien, sei nicht wert, erhalten zu werden, behauptete mancher Prediger. Erst 1972 – mehr als ein Jahrhundert nach ihren Schwestern in Istanbul oder Kairo – wurde die Altertums- und Denkmalpflegebehörde begründet. Seither sind über 10.000 archäologische Stätten identifiziert worden, 26 werden untersucht. Es gibt Universitätsinstitute, Kongresse, an denen sogar Frauen teilnehmen dürfen, es wird digitalisiert und unter anderem mit Hilfe des Deutschen Archäologischen Instituts geforscht.