Pergamonmuseum: Bund will Kostenexplosionen in Zukunft nicht mehr hinnehmen

Berlin - Florian Pronold wählt kernige Worte. „Häufig entsteht der Eindruck, die öffentliche Hand ist zu blöd zum Bauen“, sagt der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesbauministeriums. Der SPD-Politiker steht, umringt von Journalisten, am Donnerstag am Fuß des Pergamonaltars im gleichnamigen Museum in Berlin.

Von der Opferstätte sind nur die Umrisse zu erahnen. Die Treppen sind mit Sperrholzplatten verkleidet, die Kolonnaden und Friese hinter Plexiglas und Blechplatten versteckt, eine hölzerne Zwischendecke schützt das Glasdach und lässt kein Tageslicht in den Saal.

Erzwungene Transparenz

Es ist die erste presseöffentliche Führung durch die Baustelle, seit das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung im September 2014 mit der Sanierung des größeren Teils des Pergamonmuseums begann. Pronold präsentiert den Rundgang als Teil einer „Transparenzoffensive“ von Bundesbauministerin Barbara Hendricks.

Eine nicht ganz freiwillige Offensive allerdings, ist doch erst kürzlich durchgesickert, dass sich die Dauer des ersten Bauabschnitts auf acht Jahre verdoppeln wird und die Kosten von 261 Millionen auf 477 Millionen Euro schnellen. Vorerst. Weitere Steigerungen wagt Pronold nicht auszuschließen.

Wie es zu diesem erneuten Baudesaster in Berlin kommen konnte, soll Petra Wesseler, die Präsidentin der obersten Baubehörde, erklären. Von Arbeiten auf engstem Raum ist zu hören („Das ist eine Insel!“), von den Schwierigkeiten, bei gleichzeitigem Museumsbetrieb zu bauen, empfindlichen Großskulpturen wie eben dem Pergamonaltar oder von Anforderungen der Denkmalpflege auf der Unesco-Weltkulterbestätte Museumsinsel. Das alles wusste man doch vorher.

Das ist auch zum Teil berücksichtigt worden, wie am Beispiel der Großskulpturen zu sehen ist. In allen Gebäudeteilen, auch dem für Besucher noch geöffneten Ostflügel, sind Sensoren installiert. Im Hellenistischen Saal etwa kann man die Kabel am Fuß einer antiken Säule durch einen Spalt in der Verschalung erspähen. Fast vierzig Mal haben die empfindlichen Geräte bislang Alarm geschlagen. Schäden entstanden keine.

Mehrkosten von 60 Millionen Euro

Was hat dann zur Kostensteigerung geführt? Als der Tross den Ehrenhof durchquert zeigt Petra Wesseler auf ein quadratisches mit Wasser gefülltes Loch, „das Schwimmbecken“, wie die Architektin es nennt. Dort befand sich eines von zwei Pumpenhäuser, die während der Arbeiten entdeckt wurden. Dessen massives Fundament musste mühsam abgetragen werden, weil es die geplante unterirdische Verbindung von vier der fünf Museen, die sogenannte archäologische Promenade, unterbrochen hätte.

Schlampige Planung also? Staatssekretär Pronold sieht darin tatsächlich ein Problem von Bundesbauprojekten: „Wir stellen immer wieder fest, dass nicht gründlich genug geplant wird.“ Vier von zehn Bauvorhaben würden auch deshalb den Zeit- und Kostenrahmen sprengen. Ein weiterer Grund sei der Verzicht auf Risikovorsorge. Unvorhergesehene Komplikationen wie durch das Pumpenhaus könnten nicht aufgefangen werden. Auch würden bei langjährigen Baustellen, wie der Museumsinsel, über die Jahre zu erwartende Preissteigerungen in der Planung ignoriert. Im Falle des Pergamonmuseums sorgt allein das für Mehrkosten von nahezu sechzig Millionen Euro.

Monika Grütters ärgert sich

Für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist das eine Katastrophe. Insgesamt acht Jahre muss sie ohne die Einnahmen aus ihrem besucherstärksten Museum auskommen. „Die Entwicklung ist für uns schockierend“, sagt Günther Schauerte, Vizepräsident der Stiftung, während der Begehung. Er hofft auf mehr Sorgfalt in der Projektsteuerung und der Kommunikation. „Wir haben entschieden nachgefragt, um detaillierte Informationen zu bekommen.“ Nach Transparenz klingt das nicht.

Verstimmt zeigt sich auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Die Preußenstiftung liegt in der Zuständigkeit ihres Hauses. Sie muss die zusätzlichen Millionen von den Haushältern des Bundestags erstreiten. Für 2017 sind das allein 30 Millionen Euro. Das soll nicht noch einmal passieren. Mit dem Bau des Museums der Moderne auf dem Kulturforum wird Grütters nicht das Bundesbauamt, sondern den Landesbetrieb Bundesbau in Baden-Württemberg beauftragen. Der eilt, anders als der Bundesbauhörde der Ruf von Pünktlichkeit und Kostentreue voraus. Und etwas Konkurrenz kann wahrlich nicht schaden.