Peter Maffay gehört zu den besonders häufig zu hörenden mahnenden Stimmen während der Corona-Pandemie. Der Sänger sorgt sich um das Land im Allgemeinen und im Besonderen um die Kulturbranche. Noch vor einem Monat merkte er in einem Podcast an, dass viele Künstler und Dienstleister aus der Veranstaltungsbranche mit dem Rücken zur Wand stünden, etliche Existenzen seien bereits zusammengebrochen. Maffay sagte, die Politik unternehme zu wenig, um diesen Leuten zu helfen.

Gleichzeitig plädierte der 71-Jährige dafür, Corona als Umstand hinzunehmen, den man akzeptieren muss. Eine klare Ansage an Gesangskollegen wie Michael Wendler und Xavier Naidoo: „Wer Corona leugnet, schadet nicht nur sich selbst, sondern der Gesellschaft.“ Damit sollten die Grundlinien in Maffays Einschätzung eigentlich geklärt sein. Oder doch nicht?

Nun, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur jedenfalls erneuerte der Deutschrocker jetzt seine Mahnungen. Maffay sieht die Kulturbranche wegen der Pandemie in höchster Gefahr – und stellt den handelnden Politikern kein gutes Zeugnis aus. „Es wird hier mit zweierlei Maß gemessen“, sagt der im bayerischen Tutzing am Starnberger See lebende Musiker. Während Autoindustrie oder Lufthansa mit staatlichen Milliardenzuwendungen großzügig unterstützt würden, verhungere der Kulturbetrieb am langen Arm der Bürokratie.

„Die Gelder, die in Aussicht gestellt werden, fließen viel zu langsam“, kritisierte Maffay. „Es müsste alles viel schneller gehen, hier sind viele Existenzen bedroht.“ Musiker seien offenbar nicht systemrelevant, konstatierte der Sänger und Gitarrist, der selbst auf eine über 50-jährige Musikkarriere zurückblickt. Er habe am eigenen Leib erfahren, wie herabwürdigend es sich anfühle, so bezeichnet zu werden: „Im ersten Lockdown wollte ich meine Tochter in der Kinderkrippe abgeben. Da hieß es: Das geht nicht – ich sei ja nicht systemrelevant.“ Maffay ist vor zwei Jahren noch einmal Vater geworden.

Am Dienstag noch hatte sich der 71-Jährige im „Morning Briefing“ des Journalisten Gabor Steingart deutlich polarisierender geäußert. Er kapiere zwar, dass man angesichts steigender Infektionszahlen etwas tun müsse, bezweifelte aber, „ob die Maßnahmen in der Härte, wie sie getroffen werden“, relevant seien. Er habe immer mehr das Gefühl, dass die „Maske zum Maulkorb“ werde. Es bestehe die Gefahr, dass demokratische Grundregeln erodierten, so Maffay. „Ich hoffe, dass sich die Politik nicht in diesen Umstand verliebt: Gesetze durchzupeitschen, und sich verliebt in die Macht, die damit verbunden ist.“ Auf Twitter sahen einige Kommentatoren aufgrund dieser Äußerungen bereits Parallelen zu Querdenker-Demonstranten.

Bülent Ceylan wird Peter Maffay vielleicht nicht in allem zustimmen, aber in einer Sache schlägt der Comedian den gleichen Weg ein: Der 44-Jährige wirbt für mehr Unterstützung der Kulturszene in Corona-Zeiten. „Es geht um viele noch nicht so prominente Künstler oder auch Techniker und die vielen Familien, die dahinter stehen. Die zu ernähren wird schwer, wenn sie über Monate nicht arbeiten dürfen“, sagte er zum Start der Mannheimer Benefizaktion „KulturGut. Wir helfen den Kreativen“.

Kulturschaffende hätten seit dem ersten Lockdown Mitte März das Gefühl vermittelt bekommen, viel weniger wichtig zu sein als Flugzeuge oder Autos. „Das fühlt sich nicht gut an“, sagte der gebürtige Mannheimer Ceylan, der bereits zu Schulzeiten mit Boris-Becker- oder Helmut-Kohl-Parodien reüssierte, dem „Mannheimer Morgen“. Finanzhilfen der Bundesregierung könnten die Verluste nicht ausgleichen, die seit Mitte März entstanden sind. In vielen Bundesländern hätten die Soforthilfen bisher nicht gegriffen: „Auf und hinter der Bühne gibt es ganz viele Soloselbstständige. Die haben keine Betriebsausgaben, zahlen keine Büromiete oder so etwas, sondern nur Verdienstausfälle.“ Von etwas leben und die Wohnung bezahlen müssten sie trotzdem.