Er könnte sich eigentlich entspannt zurücklehnen und sich feiern lassen: Peter Sodann wird an diesem Mittwoch 80 Jahre alt. Die Stadt Halle richtet ihrem Ehrenbürger einen Festakt im Neuen Theater aus, in jenem Haus auf der Saale-Insel also, das Sodann seit den 1980er-Jahren aufgebaut und bis 2005 als Intendant geleitet hatte.

In dieser Zeit, von 1992 bis 2007, spielte er auch jene Fernsehrolle, die ihn bundesweit bekanntmachte: Sein knurriger Dresdener „Tatort“-Kommissar Bruno Ehrlicher ließ sich beim Wechsel von der Volkspolizei zur bundesdeutschen Kripo den proletarischen Charme nicht austreiben.

Bücher in Bananenkisten

Auch als Pensionär ist Peter Sodann nicht etwa altersmilde geworden. Derzeit steht er mal wieder unter Hochspannung. Denn bis zum Sommer muss er eine Lösung für einen ganz besonderen Schatz finden. In einer Lagerhalle bei Oschatz lagern in Bananenkisten über drei Millionen Bücher aus DDR-Verlagen – bis zum 30. Juli soll er die Halle räumen. Als er im Herbst die Kündigung bekam, überlegte Sodann öffentlich, diese Sammlung auf 25 LKW zu laden, sie westwärts zu schaffen und in den Rhein zu kippen. Bei einem Telefonat wenige Tage vor seinem Geburtstag muss er zugeben, dass er momentan nicht mal das Geld für die Miete der Transporter hätte – und fordert zugleich unverdrossen dazu auf, ihm weiterhin alle ostdeutschen Bücher vorbeizubringen.

Einen Teil seines Bestandes, also einige hunderttausend Exemplare, bietet er seit 2012 in seiner Bibliothek in einem ehemaligen Rittergut in Staucha an – direkt neben seinen Büchern lebt er mit seiner Frau Cornelia mittlerweile. „Man wirft doch seine Vergangenheit nicht einfach weg“, betont er. Begonnen hatte seine Sammelwut kurz nach der Wende, als Bibliotheken und sogar Verlage ihre nunmehr überflüssigen Bücherbestände auf den Müll kippten.

Peter Sodann brachte die Bücher zunächst im Hallenser Theater, später dann in einer Turnhalle in Merseburg unter. Obwohl bei der Sanierung des Ritterguts auch EU-Fördermittel flossen, glaubt Sodann, seine Sammlung wäre bei der „Aristokratie“ der Bundesrepublik unerwünscht – schließlich steckten in den Büchern nicht selten antikapitalistische Ideen.

Ein überzeugter Sozialist

Und Sodann, Sohn eines im Krieg gefallenen Kommunisten, ist seit seiner Jugend überzeugter Sozialist. Mit seinen Vorstellungen von einem besseren Sozialismus geriet er aber schnell mit der Doktrin der DDR-Staatsmacht aneinander. Wegen seiner Auftritte im Studentenkabarett „Rat der Spötter“ wurde er 1961 für neun Monate ins Gefängnis gesteckt, konnte aber sein Studium fortsetzen und wurde 1964 von Helene Weigel ans Berliner Ensemble geholt.

Nach der politischen Wende in der DDR spielte er in einigen Filmen, etwa in der Adaption von Christoph Heins Roman „Tangospieler“, in „Deutschlandlied“ oder auch „Nikolaikirche“, immer wieder Stasi-Leute, versuchte dabei jedoch, diesen Figuren auch Zwischentöne abzugewinnen. Auf seinen Stationen als Schauspieler und Regisseur an Theatern in Erfurt, Magdeburg und Halle lebte Peter Sodann seinen „Drang zu baulichen Maßnahmen“ aus: Galerien entstanden ebenso wie Theaterkantinen.

Heiterer Revolutionär

Auch in seiner Bibliothek rackert er bis heute unermüdlich. Er baute mit Helfern kilometerlange Regale in der Deutschen Bücherei in Leipzig ab und in Staucha wieder auf. Politisch packte er bei den Linken mit an, ließ sich 2009 sogar zur Wahl des Bundespräsidenten aufstellen. Damals gewann Horst Köhler, der ihm den Rat gab, er solle sich für sein Bücherrettungsprojekt einen Millionär als Sponsor suchen – was Peter Sodann als zynisch empfindet. Trotz aller Rückschläge und Anfeindungen ist der Jubilar nicht etwa verbittert: „In jeder Revolution muss doch viel Heiterkeit stecken!“