Weimar - Andreas Petzold nennt sich selbst einen Pflanzenjäger. Er findet, was er sucht. Seine jüngste Beute: 70 Pomeranzen, aufgestöbert in Italien. Der Gärtner strahlt. Mit diesem Kauf kann nun nach vielen Jahrzehnten der Innenhof der Orangerie des Schlosses Belvedere in Weimar wieder so gestaltet werden, wie das historisch verbürgt ist. 30 Jahre hat allein Petzold dafür gebraucht.

Als der Gärtnermeister am 15. August 1989 seinen Job in Weimar antrat, übertrug ihm sein Gartendirektor die Orangerie des für Herzog Ernst August erbauten Jagdschlosses, einst Reichtum und Bedeutung des Hofes ausdrückend. Was Petzold sah, war eine Orangerie ohne Orangen. Das Gebäudeensemble mit Neuem und Langem Haus, den beiden Orangerieflügeln und den Pavillons, verdiente seinen Namen nicht mehr. Hier, im ganzen Park rund um das Schloss Belvedere im Süden Weimars und in den angegliederten Gärten wuchs kein einziger Zitrusbaum mehr, keine Kamelie, keine Feige. Um 1970 waren die letzten Pomeranzen eingegangen – wegen der schlechten Qualität des Gießwassers, wie man heute weiß. Und an Nachschub war nicht zu denken. Dafür hätte man nach Portugal, Spanien oder Italien reisen müssen, um Bäume auszusuchen. Ein Unding! Stattdessen gab es Palmen, etliche aus Privatbesitz. „Das sah zwar mediterran aus“, erinnert sich Petzold, „war aber alles andere als historisch korrekt“.

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