Prinz Harry, 36, und Herzogin Meghan, 39, gehen wieder in die Offensive. Eine gute Nachricht jagt die andere: Erst verkündeten die beiden am Wochenende, dass sie wieder Nachwuchs erwarten, jetzt wurde bekannt, dass sie einer guten Freundin, nämlich der Talkmasterin Oprah Winfrey, 67, ein Interview geben werden. Dabei solle es in einem „intimen Gespräch“ auch um den Weggang des Paares aus London und seinen Rückzug von allen royalen Pflichten gehen, teilte der Sender CBS am Montagabend mit. Die Sondersendung trägt den Titel „Oprah with Meghan and Harry“ und wird 90 Minuten dauern. Ausgestrahlt wird sie am 7. März zur Prime-Time amerikanischer Zeit.

„Winfrey wird mit Meghan, der Herzogin von Sussex, in einem umfassenden Interview sprechen, das alles abdeckt: vom Eintritt in das Leben als Royal, Ehe, Mutterschaft, philanthropische Arbeit bis hin zum Umgang mit dem Leben unter starkem öffentlichem Druck“, heißt es in der Ankündigung von CBS, die in der Zeitschrift People veröffentlicht wurde. „Später werden die beiden von Prinz Harry begleitet. Sie sprechen über ihren Umzug in die USA und ihre Hoffnungen und Träume für die Zukunft ihrer wachsende Familie“, heißt es weiter. Zuletzt hatten die Sussexes im November 2017 ein gesetztes Interview geführt, damals mit dem Journalisten Mishal Husain für die BBC.

Kurzum, Oprah Winfrey hat einen Coup gelandet, denn sie wird nicht allein das erste Interview nach Harrys und Meghans Geburtsanzeige führen, sondern das erste Interview nach dem und vor allem: über den Megxit. Man darf davon ausgehen, dass im britischen Königshaus die Freude darüber nicht sonderlich groß sein wird – könnten doch unerfreuliche Details aus dem Innenleben der „Firma“ publik werden. Eine schwieriges Verhältnis: Bereits die Glückwünsche zum neuerlichen Nachwuchs fielen eher zurückhaltend aus. So gratulierten Queen Elizabeth, Prinz Philip und Prinz Charles zwar „hocherfreut“ dem Paar. Ein offizielle Pressemitteilung gab es allerdings nicht.

Dabei könnte die Queen gute Nachrichten durchaus gebrauchen. Denn 2020 war für sie eher ein annus horribilis, ein Schreckensjahr. Es begann mit dem bereits erwähnten Megxit, dann erkrankten sowohl Prinz Charles als auch Harrys Bruder Prinz William an Covid-19; die Queen und ihr Ehemann Prinz Philip mussten Monate abgeschottet auf Schloss Windsor bei London verbringen. Und schließlich war da noch der zweitälteste Sohn Prinz Andrew und seine Verwicklung in den Skandal um den mittlerweile gestorbenen US-Geschäftsmann und verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein: Diesem wird vorgeworfen, Dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen zu haben.

Großer Gestaltungswillen in eigener Sache

Hinzu kommen noch deutlich kleinere, etwa die Thronfolge betreffende Fragen: Wenn die Sussexes ihr Kind – wie zu erwarten – in den Vereinigten Staaten zur Welt bringen, ist es automatisch US-Staatsbürger, aber damit auch für das britische Königshaus verloren? Immerhin, Vater Harry hat seinen Platz – derzeit an sechster Stelle – behalten, obwohl er allen royalen Verpflichtungen entsagt hat. Wie auch immer, das alles muss Harry und Meghan nicht kümmern. Sie verfolgen mit zunehmenden Erfolg ihre eigene Agenda – eine Art Charity-Business. Vor allem wollen sie die Kontrolle über ihr öffentliches Leben. Und dabei nehmen sie immer weniger Rücksicht auf die königliche Verwandtschaft.

Und dazu gehört eine gute PR. Jüngstes Beispiel: Fast alle britischen Zeitungen brachten am Montag das Schwarz-Weiß-Foto des Paares, auf dem eine deutlich schwangere Meghan den Kopf auf dem Schoß ihres Mannes ablegt. Perfektes Timing: Die beiden ließen die freudige Nachricht nicht etwa nur am Valentinstag verbreiten, sondern auf den Tag genau 37 Jahre nach der offiziellen Bekanntgabe, dass Prinz Charles und Prinzessin Diana ihr zweites Kind – Harry – erwarteten. Abgesehen davon veröffentlichten Harry und Meghan aber auch einfach ein ästhetisch anspruchsvolles, irgendwie kunstwollendes Foto. Das alles zeugt von einem ambitionierten Gestaltungswillen in eigener Sache.

Foto: dpa/Misan Harriman/The Duke And Duch
Kunstwollen: Mit edlem Schwarz-Weiß kündigen Harry und Meghan ihren Nachwuchs an.

Die Inszenierung postroyaler Glücksseligkeit liest sich wie ein Reflex auf Gerüchte der letzten Wochen, wonach die Ehe des Paars in der Krise stecke. Meghan hatte im November in einem sehr persönlichen Beitrag für die New York Times berichtet, dass sie im November eine Fehlgeburt erlitten hatte – und die erheblichen Belastungen betont. Eine Fehlgeburt sei mit einem schier „unerträglichen Leid“ verbunden, schrieb sie weiter. Gleichzeitig sei es aber tabu, darüber zu sprechen. Dies führe zu ungerechtfertigter Scham und setze „den Kreislauf der einsamen Trauer endlos fort“. Jetzt lautet die Botschaft: Es gibt keine Ehekrise infolge der Fehlgeburt und der mit ihr einhergehenden Vereinsamung.

Kampf gegen die aggressive Boulevardpresse

Und doch wurden Harry und Meghan auch noch einmal an einen länger schwelenden, seit etlichen Monaten gerichtsnotorischen Konflikt erinnert: ihr Verhältnis zu den bekanntlich aggressiven britischen Boulevardmedien. Der Daily Star etwa machte sich auf seiner Titelseite so über der beiden Geburtsanzeige lustig: „Öffentlichkeitsscheue Frau lässt 7,67 Milliarden Menschen wissen: Ich bin schwanger.“ Hintergrund der Häme ist, dass Meghan vor Gericht gerade erst gegen die Mail on Sunday einen Sieg errang – das Boulevardblatt hatte einen einen Brief Meghans an ihren Vater Thomas Markle veröffentlicht. Nach Überzeugung des Londoner High Courts eine erhebliche Verletzung der Privatsphäre.

Und damit schließt sich der Kreis zu dem jetzt angekündigten Interview mit Oprah Winfrey. Das Gespräch über den Megxit dürfte auch den britischen Boulevard zum Thema haben: Meghan ist Zielscheibe unzähliger Paparazzi weltweit und wurde wegen ihrer Hautfarbe und afroamerikanischen Wurzeln auch das Ziel rassistischer Beleidigungen. Eine weitere Rolle dürfte das Schicksal von Harrys Mutter Diana spielen, die – von Fotografen verfolgt – 1997 in einem Pariser Straßentunnel tödlich verunglückte. Ein bis heute traumatisches Ereignis, auf das Harry immer wieder Bezug genommen hat – nicht zuletzt auch, um sich gegen die zerstörerische Zudringlichkeit des Boulevards zu verwahren.

Und doch bleibt etwas von der Häme des Daily Stars. Kritisiert wird die „Scheinheiligkeit“ des Paares, das sich vor Gericht gegen jede unliebsame, auch unlautere Form der Berichterstattung wehrt, aber zugleich als öffentliche und moralische Institution in Erscheinung tritt: Moral predigen, aber keine Kritik ertragen? Dieser Widerspruch, wenn es denn einer ist, wird bei „Oprah with Meghan and Harry“ wohl keine Rolle spielen.