Berlin - Mittwoch. Düster. Nass. Herbst. Angespannte Laune allüberall. Schrecklicher Tag. Aber dann: Abends im Berghain gewesen. Düster. Voll. Herbstfarben gewandete Mengen von Menschen. Angespannte Laune allüberall. Viertelnachneun tritt eine schwarzgekleidete blonde Frau auf die Bühne und beginnt auf einem selbst zusammengelöteten Brett mit vielen Tonabnehmern und wenigen Saiten schmerzhafte Sounds aller Art zu erzeugen: quiekhohes Tinnitusfiepen, das sich direkt in die Hirnlappen fräst, und knapp neben dem Herzschlag pulsierende Bässe; mittelfrequentes subjektloses Brüllen, das den Metabolismus kompetent aus dem Gleichgewicht bringt; aber auch spitz zugefeilte Rückkopplungssplitter, die sich direkt in den Kiefer und die Weichteile bohren.

Toll! Viele Menschen bekommen schlagartig sehr gute Laune, doch ist das noch lange nicht alles gewesen. Die blonde schwarzgekleidete Frau ist nämlich nicht bloß sehr laut, sondern auch äußerst zornig. Bald beginnt sie so herzhaft und schrill und schmerzhaft verzerrt in die Menge zu schreien, als habe sie eine Tarantel gestochen oder der wilde Watz oder als schwinge sie sich gerade dazu empor, einen untreu gewordenen Geliebten mittels bloßen Gebrülls in die Hölle zu schicken. Die Frauen im Publikum beginnen sich umstandslos zu identifizieren.

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