Hat sich Polly Samson tatsächlich verplappert? Oder war das mal wieder so eine von diesen Ideen eines ganz ausgebufften Musikwirtschaftswerbefritzen? Egal, in der Welt da draußen sind jetzt alle ganz aufgeregt; oder doch zumindest all jene, die sich für kosmischen Kunstrock mit verhallter Bluesgitarre begeistern: Im Oktober erscheint ein neues Album von Pink Floyd!

Das jedenfalls hat Polly Samson – Journalistin, Autorin, Gattin des Pink-Floyd-Gitarristen David Gilmour und Ko-Texterin seiner letzten Soloplatte „On An Island“ – am Sonnabend getwittert. Das Album werde auf Sessions aus dem Jahr 1994 beruhen sowie den Titel „The Endless River“ tragen; es sei „Rick Wrights Schwanengesang“ und außerdem „wunderschön“.

Letzte Platte „The Division Bell“

1994 spielten Pink Floyd ihre bislang letzte Platte „The Division Bell“ ein – beziehungsweise das, was von Pink Floyd übrig war, nämlich Schlagzeuger Nick Mason, Keyboarder Rick Wright und der 1968 als Ersatz für Syd Barrett hinzugekommene Gitarrist Gilmour; auch Polly Samson war damals schon als Ko-Texterin dabei. Das Ergebnis wurde je nach Temperament als atmosphärisch-entspannt bewertet oder als sterbenslangweilig; der Mitte der Achtziger ausgeschiedene Pink-Floyd-Bassist Roger Waters nannte die Platte einerseits „Abfall“, aber andererseits auch „reinen Unfug von vorne bis hinten“, sie enthalte lauter „Lieder, die klingen, als würde jemand einen Pink-Floyd-Song zu komponieren versuchen, aber ohne Erfolg“. Zum 20. Jubiläum erschien das Werk kürzlich in einer Luxus-Abfall-Version, nämlich in einer Box mit einer CD, zwei Vinylschallplatten, einer Blu-Ray, zwei Vinyl-7-Zoll-Singles, einer Vinyl-12-Zoll-Single sowie fünf Kunstdrucken mit rätselhaften Science-Fiction-Motiven zum Preis von nur 129,99 Euro.

Wer sich danach fragte, was dem noch hinzugefügt werden kann, erhält mit der nächsten Pink-Floyd-Platte die Antwort: Das können wir den Informationen entnehmen, die am Tag nach der Twitter-Botschaft von Polly Samson durch Durga McBroom-Hudson hinzugefügt wurden. Durga McBroom-Hudson war in den Achtzigern und Neunzigern bei Pink Floyd als Backgroundsängerin tätig und wird nun auch auf „The Endless River“ zu hören sein. Auf ihrer Facebook-Seite erläutert sie, dass es sich bei den neuen Songs um 1994 skizzierte und nach dem Tod von Rick Wright 2008 von Mason und Gilmour fertiggestellte Instrumentalstücke handelt. Kürzlich habe sie ein wenig Backgroundchor dazu beigesteuert; an einer Stelle des neuen Albums werde sogar auch David Gilmour etwas Kleines singen. Das klingt toll! Schade nur, dass Roger Waters eine Reunion mit seinen derart agilen Kollegen weiterhin kategorisch ausschließt.