Eines der Poster, die auf Depression aufmerksam machen. 
Foto: Robert-Enke-Stiftung

BerlinPlakatbotschaften sollen einfach wirken und klar, meist zielen sie darauf, schneller zu sein als das Bewusstsein. Nicht selten überholen sie mit ihrer suggestiven Verknüpfung von Bild und Text den Inhalt, den der erste Eindruck vermittelt. Bilder korrumpieren, und die Werbewirtschaft blickt auf eine lange Geschichte zurück, in der die Techniken der sanften Überrumpelung benutzt und verfeinert worden sind.

Sehr beliebt sind derzeit auf bloße Schrift reduzierte Textkämpfe, in denen durch die grafische Anordnung oder auch durch Streichungen zwei Sinnbotschaften in Konkurrenz zueinander treten. Eine solche Variante hat nun die Robert-Enke-Stiftung für eine Kampagne gewählt, die auf die Gefahren von Depressionserkrankungen aufmerksam machen will. „Ich kann (nicht) mehr!“, heißt es darin oder: „Ich schaff das (nicht)!“ Das „nicht“ ist jeweils durchgestrichen. Ein drittes Plakatmotiv enthält den Satz: „Ich will (nicht) mehr!“ In nüchterner Diktion steht unter den Plakaten: „Depression ist eine Krankheit, die in der Regel heilbar ist, wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt wird.“ Die Robert-Enke-Stiftung ist von Teresa Enke, der Ehefrau des ehemaligen Torhüters der deutschen Fußballnationalmannschaft buchstäblich ins Leben gerufen worden, nachdem sich ihr Mann, der Fußballstar, infolge einer schweren Depression das Leben genommen hatte.

Die Stiftung verweist mit den Plakaten darauf, dass die Zunahme seelischer Erkrankungen im Schatten der Corona-Pandemie leicht übersehen wird. Unlust, Schwermut, Antriebslosigkeit – meist nähern sie sich stumm. „Gerade jetzt darf aus physischer Distanz kein emotionales Abstandhalten werden“, heißt es auf der Seite der Enke-Stiftung. Der allgegenwärtige Ansporn zur Selbstoptimierung, der insbesondere in Krisenzeiten dazu aufzufordern scheint, noch ein bisschen mehr herauszuholen, hat eine Atmosphäre der Überforderung geschaffen, die wir für die neue Normalität halten.