Die Eröffnungssequenz dieses Films ist sensationell: Die Kamera tastet sich durch das fahle Licht eines scheinbar tierleeren Walds; dazu hat Michael Giacchino eine Musik aus ungut flirrenden Klang-Clustern komponiert, die an Ligetis „Atmospheres“ in Kubricks „2001“ erinnert. Prächtiges Damwild gerät nun ins Bild, doch nur, um plötzlich von einer Rotte ruppiger, indes hoch koordiniert vorgehender Affen erlegt zu werden. Wie der Zuschauer hier zugleich mit Naturidylle beruhigt und mit naturgegebener Brutalität geängstigt wird, und wie er durch die kontrapunktierende Musik und das filmische Zitat zugleich das Gefühl erhält, an einem entscheidenden Moment in der Evolution einer Gattung teilzuhaben: das ist kinematographisch grandios.

In der Zukunftswelt des neuen „Planet-der-Affen“-Films „Revolution“ (im Original sehr viel lyrischer und zutreffender: „Dawn of the Planet of the Apes“, Morgendämmerung) beginnen die durch einen Virus mit menschlicher Intelligenz ausgestatteten Affen soeben damit, sich zu den Beherrschern des Planeten aufzuschwingen. Sie lernen nicht nur jagen, sondern auch sprechen, lesen und schreiben. Aber mit den Segnungen zivilisatorischer Intelligenz halten natürlich auch Heimtücke, Hass, Habgier und allerlei andere unselige Charaktereigenschaften der Menschen ihren Einzug.

Grandios ist die Mimik und die Körpersprache der Affen: Sie alle wurden im Motion-Capture-Verfahren designt, das heißt von menschlichen Darstellern gespielt, deren Bewegungen alsdann auf die am Computer erschaffenen Charaktere übertragen wurden. Derart virtuos ist diese Technik inzwischen, dass die aus ihr erwachsenen Wesen sich ganz nahtlos in die sie umgebende Natur, in die sie umrahmenden Bilder einpassen. Besonders schön anzuschauen ist das Affendorf tief im Wald, in welchem die unterschiedlichsten Affenarten sich tummeln. Weise Orang-Utans, muffige Gorillas, energische Bonobos: Sie alle wirken originalgetreu affig; zugleich zaubern die Schauspieler (allen voran der als Gollum-Darsteller berühmt gewordene Andy Serkis als Affenchef Caesar) und die Computer-Designer ihnen in den unterschiedlichsten Weisen das Licht einer erwachenden Vernunft in die Antlitze.

Leider sinkt das durchschnittliche Schauspielniveau auf der Leinwand in dem Moment erheblich, in dem die ersten Menschen die Szene betreten. Wie wir aus dem letzten „Planet-der-Affen“-Film „Prevolution“ noch wissen, hat der gleiche Virus, der die Intelligenz unserer pelzigen Freunde derart erhöhte, die Menschheit weitgehend ausgelöscht. Lediglich ein versprengtes immunes Grüppchen hausiert noch in den malerisch überwucherten Ruinen von San Francisco und versucht sich am Aufbau einer neuen Zivilisation. Dazu braucht man elektrischen Strom, und dieser lässt sich nur durch die Reparatur eines nahe gelegenen Wasserkraftwerks produzieren – welches aber wiederum im Affengebiet liegt. Also macht sich eine Expedition auf den Weg ins Ungewisse…

Drehbuch auf unterem Primatenniveau

Im folgenden erzählt der Film nun von den Schwierigkeiten des Erstkontakts zwischen den einander so fremd gewordenen und doch so nahen Affen und Menschen. Leider tut er dies in der denkbar unoriginellsten und ödesten Weise. Nämlich in etwa so: Als die Menschen und die Affen einander zum ersten Mal treffen, haben sie Angst voreinander, dann nähern sie sich vorsichtig an, dann passiert ein Unglück, woraufhin es zu einem bewaffneten Konflikt kommt. Beide Parteien ziehen sich zurück in ihre Behausungen, um dort das weitere Vorgehen zu beratschlagen. Es kommt zu einem weiteren Kontakt, bei dem man sich vorsichtig einander annähert, dann passiert ein Unglück, woraufhin es zu einem bewaffneten Konflikt kommt. Beide Parteien… undsoweiter. Etwa ein halbes Dutzend Mal wiederholt sich diese Geschichte, bis die nunmehr mit Waffen ausgerüsteten Affen nicht nur die Menschen, sondern auch sich gegenseitig abzumetzeln beginnen und sich aus der farbigen Vielfalt der Affenpopulation – besonnene Typen, ehrliche Charaktere und fiese Verräter aller Art – eine neue autoritäre Gesellschaftsstruktur herauszuschälen beginnt.

Man versteht, dass der Film seine überwältigende Optik zur Erzählung einer allgemeingültigen Story über die Grundlagen und Chancen, Risiken und Nebenwirkungen des Zivilisationsprozesses zu nutzen versucht. Leider schleppt er sich dabei über zwei Stunden lang so träge und vorhersehbar und redundanzsatt dahin, dass, je schlauer die Affen werden, der Zuschauer sich immer abgestumpfter, müder und weniger klug fühlt. Man versteht es einfach nicht: Warum gibt ein Hollywoodstudio mehrere Fantastillionen von Talern für die tollste Computeranimationstechnik aller Zeiten aus – und leistet sich dann bloß ein Drehbuch auf unterem Primatenniveau? Jeder halbwegs erleuchte Bonobo hätte das, keine Frage, geistreicher zu inszenieren verstanden.