Playlist mit Musik zur Einheit: Unvergessliche Hymnen der Freiheit

Als die alten Männer auf der Ostseite der Grenze aufgaben, als die Mauer fiel, bescherte das einigen mittelalten Männern im Westen der Welt noch ein paar unerwartete Hits. Damals wollten ja alle nicht nur die Bilder und Gefühle der Wende sehen und verstehen, sie wollten auch den Soundtrack zur neuen Freiheit hören.

Und da kamen Marius Müller-Westernhagen, Neil Young, David Hasselhoff und die Scorpions gerade recht. Westernhagens Feuerzeug-Hochhalte-Schnulze „Freiheit“ war zwar lange vor dem Mauerfall erdacht worden und auch Neil Young wurde mit seinem „Rockin‘ in the Free World“ von Honeckers Ende eher überrascht, trotzdem wurden die Songs zu Hymnen auf dem Weg zur Wiedervereinigung.

Von „Verlornen Kindern“ und „Langeweile“

Und auch der Baywatcher David Hasselhoff wollte mit „Looking for Freedom“ maßgeblichen Anteil am Zusammenbruch des Ostblocks haben. Immerhin kam er nach Berlin und sang an der Mauer, die aber schon vor seiner Ankunft ausreichend lädiert war. Andererseits: Selbst, wenn man den „Wind of Change“ der Scorpions schon nicht mehr hören kann, muss man den Hannoveranern zugestehen, dass ein frühes Konzert in Moskau sie zu dem mauererweichenden Stück inspiriert hatte.

Im Osten des Landes war das Freiheitshymnen-Geschäft noch nicht ganz so entwickelt, als die Mauer fiel. Bands wie Silly oder Pankow machten ihre Hits eher mit präzisen Zustandsbeschreibungen der DDR-Realität. Tamara Danz sang von den „Verlornen Kindern“ in den Straßen von Berlin: „in die warmen Länder würden sie so gerne fliehn“.

André Herzberg, der Sänger von Pankow sah die „Langeweile“ so: „dasselbe Land zu lange gesehen, zu lange gehofft, zu lange die alten Männer verehrt.“ Und der Song, der sich wie die Sehnsucht nach einem anderen Land anhörte, Karats „Über sieben Brücken musst Du gehn“ war eigentlich ein Liebeslied, geschrieben in den Siebzigern.

Frieden und Freiheit für „east and west“

Und doch gab es in jenen Novembertagen der ersten Freiheit ein paar Stunden Musik, die viele, die damals dabei waren, kaum vergessen werden. Der „Sender Freies Berlin“ rief drei Tage nach dem Mauerfall zu einem Konzert in die Berliner Deutschlandhalle. Und da kamen sie aus Ost und West, Nina Hagen und Udo Lindenberg, die Toten Hosen und Pankow, BAP und Silly, auch Joe Cocker und Melissa Etheridge.

Die Sängerin versuchte sich auf der Bühne im Kennedy-Stil auch auf deutsch: „As an American, I am very proud to be here at this time in history. But as a human being I wish you both – east and west – Frieden und Freiheit – jetzt und für immer!“

Am Ende sang Nena: „Wunder gescheh'n“. Da hatte der SFB-Moderator den zehntausenden Zuschauern schon diese Nachricht überbracht: „Der Verteidigungsminister der DDR hat soeben in der Aktuellen Kamera bekanntgegeben, dass an den innerdeutschen Grenzen der Schießbefehl aufgehoben ist!“ Drei Tage nach dem Mauerfall.

Die Freiheitshymnen dieses Abends sind übrigens nie auf Vinyl erschienen, weil nicht klar war, wer an der Doppel-LP verdienen sollte. Auch das war ein Kriterium der neuen Freiheit. Erst 25 Jahre später, im Oktober 2014, kam eine CD mit den Mitschnitten auf den Markt.

Folgen Sie der Berliner Zeitung auf Spotify: https://open.spotify.com/user/blzonline