Als historisch bedeutsam wollte der Moderator die Matinee am Sonntag im Deutschen Theater gewürdigt sehen. Es war in der Tat das erste Mal, dass in Berlin ein Preis für unabhängige Verlage verliehen wurde, gestiftet von den Senatsverwaltungen für Kultur und Wirtschaft.

Der mit 35.000 Euro dotierte Hauptpreis (für Verlage mit einem Jahresumsatz unter zwei Millionen Euro) geht an den Verlag Klaus Wagenbach. Mit den beiden jeweils mit 15.000 Euro dotierten Förderpreisen (Umsatz unter einer Million Euro) wurden der Verlag Reprodukt und das Verlagshaus Berlin ausgezeichnet.

Erfolgreicher als in Italien

Bei Wagenbach ist es gut möglich, dass der Umsatz in diesem Jahr die Fördergrenze übersteigt. Denn von dem Roman „Alle, außer mir“ von Francesca Melandri sind seit August schon 70.000 Exemplare verkauft - ein außergewöhnlichen Erfolg. Im Gespräch erzählte die Verlegerin, was für ein Einsatz dahintersteht: Die sorgfältige Ausstattung des 600-Seiten-Romans, der Einsatz bei Buchhandel und Medien für dessen literarische Qualität und politische Aktualität. In Italien, wo der Roman spielt, habe er nur 5000 Käufer gefunden.

Barbara Schneider-Kempf, die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, lobte in ihrer Laudatio, dass  Wagenbach einer der seltenen Fälle ist, da ein inhabergeführter Verlag in der zweiten Generation seinen Markenkern nicht nur behalten habe. Es sei sogar der Geist des Hauses neu belebt worden. Der 1964 von Klaus Wagenbach gegründete Verlag wird seit 2002 von Susanne Schüssler geleitet. Der Standort Berlin, der heute so selbstverständlich ist, mit 9000 Arbeitsplätzen in der Buchbranche, war lange ein heikles Pflaster für den linken Verlag, wirtschaftlich und politisch.

Comic als Kunst, Lyrik für alle

Der Verlag Reprodukt, seit Gründung 1991 auf Comics spezialisiert, musste sich seinen Platz auch erst erkämpfen. Dass in Bildern zu erzählen eine Kunst ist und sie bei Reprodukt in der Herstellung, mit kluger Themenwahl und genauer Übersetzung hochgehalten wird, das gefiel der Jury sehr. Beim Verlagshaus Berlin, dem dritten Preisträger, erscheint ausschließlich Lyrik. Die Laudatio griff das Motto des Hauses „Poetisiert Euch!“ auf: als Einladung nicht nur, Gedichte zu lesen, sondern auch die Gesellschaft mit offenen Augen wahrzunehmen.

75 Verlage hatten sich beworben, acht wurden nominiert. Im munteren Gespräch lockte der Moderator Knut Elstermann allen Nominierten Sätze über die Leidenschaft des Büchermachens und die Liebe zum gedruckten Wort hervor, so dass jedem ein Preis zu gönnen war. Die Senatoren Ramona Popp und Klaus Lederer versprachen, dass es weitergehen soll. Im nächsten Jahr gibt es außerdem bundesweit einen Verlagspreis. In diesen Zeiten, da die Buchkäufer abwandern, ist das ein wichtiges Signal.