Polizisten begleiten die Revolutionäre 1. Mai-Demonstration im Abendrot.
Foto: imago images / Marius Schwarz

BerlinHier werden schwere Waffen gekreuzt. Hengameh Yaghoobifarah hat am vergangenen Montag in der taz einen satirischen Beitrag veröffentlicht, der die Deutsche Polizeigewerkschaft veranlasste, Strafanzeige wegen Volksverhetzung zu stellen. Da gucken dann natürlich alle hin: Was scheppert denn da so? Strafanzeige? Volksverhetzung? Verstehen Polizisten keinen Spaß?

In dem Beitrag imaginiert Yaghoobifarah eine postkapitalistische Welt, in der man keine Polizei mehr benötigt, und fragt sich, was man dann mit den Menschen anfangen soll, die dort gearbeitet haben. Das Gedankenspiel gründet auf der Annahme, dass in dieser Berufsgruppe „der Anteil an autoritären Persönlichkeiten und solchen mit Fascho-Mindset überdurchschnittlich hoch“ sei. Der Text listet dann alle möglichen Berufszweige auf, die letztlich Möglichkeiten für Terroranschläge oder wenigstens für die Verbreitung von Neonazi-Ideologien bieten. Auch Bäckereien seien für Ex-Polizisten ungeeignet, weil man da Gift ins Brot mischen könnte. Schmunzel?

Der abschließende Vorschlag für die Zukunft der Polizeibediensteten: „Die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“ Dumme Hass-Pointe. Nicht lustig.

Man könnte einen Gegenkommentar schreiben und auf die Menschenwürde pochen. Die müsste doch für Hengameh Yaghoobifarah ein empfindliches Thema sein, also für Personen, die ihrerseits besondere Rücksicht fordern dürfen, weil sie zu Minderheiten zählen, erstens wegen des Migrationshintergrundes und zweitens wegen des Wunsches, nicht auf ein Geschlecht festgelegt zu werden. Doch es gilt die Regel, dass ein Text nur dann politische Satire ist, wenn er gegen die Machtverhältnisse anschreibt: von unten nach oben. Und die Antwort ist eine Strafanzeige – eine Machtgeste, von oben nach unten. Die Polizeigewerkschafter wollen ja auch keine Satiriker sein.