Kriminalrat Lemp (Felix Vörtler) feiert bei einer Schlagerparty, bevor er sich ins Auto setzt.
Foto: MDR/filmpool fiction/Stefan Erhard

Im Magdeburger Umland haben die Mobiltelefone immer noch keinen Empfang – behauptet jedenfalls das Drehbuch. Der angetrunkene Kriminalrat Lemp (Felix Vörtler) kann nach einer Feier deshalb nachts kein Taxi herbeirufen, setzt sich selbst ans Steuer und fährt im nebligen Wald prompt einen Mann an, der aber wieder im Wald verschwindet und bald als wichtiger Zeuge in einem Mordfall gesucht wird. Die Konstruktion der Story guckt hier allzu auffällig hervor.

Die Alkoholfahrt dient außerdem dazu, Lemp enger mit seiner Kollegin Brasch (Claudia Michelsen) zu verbinden und ihn zum wichtigsten Mitstreiter aufzubauen, Felix Vörtler hat ja die Statur dazu. Sylvester Groth und Matthias Matschke hatten nach ein paar Fällen den Dienst als Michelsens Kollegen in Sachsen-Anhalt quittiert.

Der 13. Auftritt von Doreen Brasch beginnt paradox: Denn die Tote im Wald, die unweit von Lemps nächtlichem Unfall erschossen aufgefunden wird, war eigentlich längst als Tote erfasst, bei einem Unfall vier Jahre zuvor. Entsprechend ungläubig-verwirrt guckt ihr Vater, als er die Leiche identifizieren muss. Christian Kuchenbuch spielt die zentrale Figur dieses Krimis, und das sehr eindringlich: Der allein lebende Bauer verliert zum zweiten Mal seine Tochter – und bekommt eine Enkelin.

Nicht nur die vierjährige Marie verbindet ihn näher mit Kommissarin Brasch. „Ich weiß, wie es ist, wenn das Kind zu jemandem wird, den man nicht kennt“, erklärt sie dem Mann – im ersten Magdeburger „Polizeiruf“ vor sieben Jahren musste sie ihren Sohn als Rechtsradikalen im Knast besuchen. Claudia Michelsen kann es hier bei Andeutungen und nachdrücklichen Dialogen belassen, muss nicht, wie in früheren Fällen, mit Actioneinlagen auf dem Motorrad die Besonderheit ihrer Rolle demonstrieren. Brasch hat ihren Sohn an die Nazis verloren, der Bauer verlor seine Tochter an die Drogen.

Der Krimi in der Regie von David Nawalny, der auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, arbeitet sich routiniert an den üblichen Verdächtigen ab; erst zwanzig Minuten vor Schluss bekommt der grundsolide Film mehr Spannung und Tempo. Daneben haben sich die Autoren ein kleines Puzzlespiel für die Kenner der Magdeburger Fußballhistorie einfallen lassen. Denn der flüchtige Freund der Toten (Bernd Münchow) heißt Zapf – so wie der langjährige beinharte Kapitän des 1. FC Magdeburg in den glorreichen 70er-Jahren. Der Hund des Bauern aber heißt Streich – so wie der schlitzohrige DDR-Rekordtorschütze, der einige Jahre lang Mannschaftskollege von Zapf war. Wer diese beiden Fußball-Fun-Facts zusammenzählt, der findet schon bald die Antwort auf eine Frage, die im Film erst ganz am Ende geklärt wird.

Polizeiruf 110: Tod einer Toten – So, 20. 9., 20.15 Uhr, ARD