Im „Polizeiruf 110 – Heimatliebe“ ging es am Sonntagabend um Reichsbürger und Ultrarechte im deutsch-polnischen Grenzgebiet.

Der Fall

Der Stall auf dem Bauernhof der Familie Sekula im polnischen Grenzgebiet brannte bis auf die Grundmauern ab, alle Tiere starben. Für die aus Deutschland stammende Jenny Sekula (Anna König) ein Grund mehr, den Hof endlich zu verkaufen und in den Westen zu gehen. Doch ihr Mann Wojciech und sein Sohn Tomasz (Joshio Marlon) aus erster Ehe wollten davon nichts wissen. Kurze Zeit später wurde der Bauer nachts brutal zusammengeschlagen und starb an den Verletzungen.

Die Auflösung

Gründe für den Mord hätten viele gehabt. Jenny, die unbedingt wieder zurück nach Deutschland wollte. Der ältere Bruder des Toten, Andrzej Sekula (Marcin Pietowski), der vom Vater als Hofbesitzer enterbt wurde und sich der Polizei gegenüber äußerst ablehnend und gewaltbereit präsentierte. Auf die richtige Fährte kamen die Ermittler erst relativ spät. Reichsbürger Jaschke (Waldemar Kobus) hatte sich von Bürgermeister Roland von Seedow (Hanns Zischler) und dessen Mutter Helena (Gudrun Ritter) zu der Tat anstacheln. Sie wollten unbedingt das Gut zurückhaben, auf dem die Familie vor dem Zweiten Weltkrieg gelebt hatte und das nun den Sekulas gehörte.

Die Kommissare

Die beiden Ermittler Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) taten sich lange schwer – mit dem Fall und mit ihrer Zusammenarbeit. Das wirkte manchmal ziemlich aufgesetzt, etwa wenn Raczek, selbst Vater, sich aufregte, dass die Kollegin ihre Tochter mit aufs Revier brachte, weil sie keine Betreuung hatte. Ihre Streitereien über das deutsch-polnische Verhältnis hingegen spiegelten die Probleme der Region und des Falles auf anschauliche Weise.

An einigen Stellen schien es, als bereite man schon Olga Lenskis Abschied im nächsten Jahr vor. Sie wirkte müde, wollte in einer brenzligen Situation nicht mehr den Kopf hinhalten („Ich hab keinen Bock mehr, sollen sich die Idioten alleine abknallen“). Maria Simons Abschied wird sicherlich ein Verlust für den „Polizeiruf“ werden.

Fazit

Es gab sehr viele ineinander verwobene Geschichten in diesem Krimi. Die beiden Ermittler wurden auf deutscher Seite mit preußischen Reichsbürgern konfrontiert, die die Bundesrepublik nicht anerkannten und auf polnischer Seite begegneten ihnen ultrarechte Nationalisten, die die westlichen Nachbarn hassten. Hinzu kamen Spekulanten, die große Agrarflächen in der Grenzregion aufkauften und Deutsche, die nicht akzeptieren konnten, dass ehemals deutsche Gebiete nach dem Zweiten Weltkrieg an Polen gingen.

„Heimatliebe“ (Buch und Regie: Christian Bach) hieß der neue „Polizeiruf 110“ ja dann auch passenderweise, denn diese reklamierten beide Seiten für sich. Das Land, um das hier bis zum Mord gestritten wurde, setzte Kameramann Wolfgang Aichholzer sehr gelungen in Szene. Ansonsten war dieser Film ein routinierter Krimi mit guten Darstellern, der von den Zuschauern viel Aufmerksamkeit verlangte. Wer nicht aufpasste, verlor schnell den Anschluss.