Das ist also die Nachfolgerin von Matthias Brandts Kommissar von Meuffels und – besser hätte es nicht kommen können. Elisabeth Eyckhoff (Verena Altenberger), von allen „Bessie“ genannt, ist genau die richtige Wahl für das große Erbe, das der Aristokrat im Trenchcoat in der Krimireihe hinterlässt, die aus nicht erklärbaren Gründen immer noch unter dem Label „Polizeiruf“ läuft und nicht längst dem „Tatort“ zugeschlagen wurde. Daran würde die Identität der Ostler nun auch nicht zerbrechen, aber das nur nebenbei.

Als Polizeioberkommissarin ist die neue Polizistin eigentlich im Streifendienst eingesetzt, mit dem schönen Rufnamen „Isar 1512“, was ein bisschen nach Großstadtrevier klingt. Doch die Geschichte, die hier erzählt wird, ist ganz und gar nicht konventionell. Im Stadtpark wird ein verwahrlostes Kind gefunden, ein Junge, der über sich keine Auskunft geben kann, weil er keiner Sprache mächtig ist, jedenfalls keiner, die zu verstehen wäre, ein Kasper Hauser unserer Zeit, der sich selbst „Polou“ nennt. Die ärztliche Untersuchung ergibt, dass er über längere Zeit gefesselt und misshandelt wurde.

So schön normal

Die Polizistin Bessie, die sich selbst ein „Streifenhörnchen“ nennt, übernimmt den Jungen, mit dem keiner richtig etwas anfangen kann, sie begleitet ihn auf eine leerstehende Station des Hospitals, wacht vor seiner Tür, macht sich Gedanken über sein Schicksal und ist bei all dem Gedankenmachen so ernsthaft und komisch und so schön normal, dass man am liebsten gleich eine ganze Serie am Stück mit ihr sehen würde.

Bei diesem tollen Entrée, das die Salzburgerin Verena Altenberger hier hinlegt, ist es zu verschmerzen, dass der eigentliche Fall von dem immer guten Regisseur Florian Schwarz („Das weiße Kaninchen“) am Ende etwas überdehnt wird. Um Licht in das Dunkel seiner selbst zu bringen, muss sich Polou mit seiner Betreuerin einer Doppelhypnose unterziehen. Inwieweit das psychotherapeutisch haltbar ist, sei mal dahingestellt. Sehr viel plausibler wird seine Situation in Trance jedenfalls auch nicht.

Polizeiruf 110 – Der Ort, von dem die Wolken kommen So, 20.15 Uhr, ARD