„Polizeiruf 110“: Sturm im Kopf: Die Figuren überzeugen auf voller Linie

Köln - Worum ging es?

Ein toter Großunternehmer, ein Verwirrter und eine verschlüsselte Erpressermail mit brisantem Inhalt – die Rostocker Ermittler Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) stehen vor einem Rätsel. Und die Puzzleteile, die sie sammeln, fügen sich nur nach und nach zusammen. Zumal die beiden Ermittler auch mit eigenem Ballast zu kämpfen haben. Dass Max Schwarz (Christian Friedel), der Mann ohne Erinnerung, sich in dieser Geschichte nicht als Einziger die Hände schmutzig gemacht hat, ist aber schnell klar.

Wer war der Täter?

Geschossen hat einer (und zwar erwartungsgemäß nicht der Verwirrte), aber schuldig sind viele. Hier hat nicht nur die Wirtschaft ordentlich Dreck am Stecken – nein, auch die Politik mischt kräftig mit. Staatssekretärin Carola Willkotte (Barbara Schnitzler), die im Aufsichtsrat der Hilgro Wind AG sitzt, kommt dabei derart arrogant rüber und wirft so ungeniert mit den Milliönchen um sich, dass es dem Steuerzahler vor dem Fernseher nur so graust. Wenn so die Politik ist, der wir unsere Zukunft anvertrauen, dann aber Gute Nacht. Die tödlichen Schüsse auf Unternehmer Achim Hiller hat in diesem Fall zwar dessen ehemaliger Leibwächter Max Brock (Hilmar Eichhorn) abgegeben. Aber der zahlt am Ende für seine Verwicklung auch den höchsten Preis.

Wie waren die Kommissare?

Authentisch und unterhaltsam. Kann man nicht anders sagen. Vor allem Charly Hübner alias Alexander Bukow, der sich kratzbürstig wie eh und je an fast allem und fast jedem reibt. Die Luft auf dem Revier wird immer dicker. Aber hier wird ja in einem Mord ermittelt. Irgendwann ist dann eben doch Teamwork angesagt. Vor allem für Katrin König ist es dabei fast schon eine persönliche Angelegenheit, den Fall zu klären und die Hilgro Wind AG endlich zu entlarven. Anneke Kim Sarnau spielt die von Gerechtigkeit getriebene Kommissarin, die sich nicht einschüchtern und abbringen lässt, sehr glaubhaft. Fast hegt man ein bisschen Bewunderung für ihre freche, unbeeindruckte Art. 

Was war die beste Szene?

Königs Gefühlsausbruch auf dem Werftgelände, als der Mörder Brock nach einer Verfolgungsjagd tödlich getroffen über seinem Lenkrad zusammensinkt, auf den Lippen die unausgesprochene Wahrheit. Die Kommissarin schreit und schreit, die Augen angesichts dieses Wahnsinns weit aufgerissen. Schon einmal ist sie Achim Hiller auf die Schliche gekommen, schon einmal ist ihr im letzten Moment die belastende Zeugin auf mysteriöser Weise weggestorben. Bukow muss erst selbst verletzt in die Knie gehen, damit sich seine Kollegin wieder beruhigt und zusammen sinken die beiden auf den Boden. Ein Moment verzweifelter Nähe und ein starker Kontrast zum ruppigen, distanzierten Umgangston, der zuvor zwischen den beiden Ermittlern herrschte. Diese Szene ist absolut mitreißend und steht damit auch für die Qualität der gesamten Folge.

Was störte am meisten?

Wer den Polizeiruf aus Rostock zum ersten Mal oder nur selten einschaltet, dürfte ab und an ganz schön ins Straucheln geraten sein – hier wurde in manchen Szenen eindeutig zu viel Vorwissen verlangt.

Das Fazit?

Drehbuchautor Florian Oeller und Regisseur Christian von Castelberg haben mit „Sturm im Kopf“ einen sehenswerten und unterhaltsamen Krimi geschaffen, der weniger von seiner Geschichte, dafür umso mehr von seinen Darstellern lebt. Die Figuren überzeugen auf voller Linie, vor allem der harsche Bukow und die schnoddrige König. Zum Schießen komisch ist übrigens auch der überzeichnete Manager Sebastian Lehm (Ole Schloßhauer). Wie er da seine großen Reden und wichtigen Botschaften auf dem Herrenklo vor sich hin übt – einfach köstlich.