Hinter dem Rücken der Erzieher wird geprügelt und vergewaltigt, das Jugendgefängnis ist eine Art Vorhölle. So scheint es für Daniel, der wegen Totschlags hier einsitzt, ein Glück, dass er auf Bewährung nach draußen geschickt wird, zur Arbeit in ein polnisches Provinzdorf. „Corpus Christi“ heißt der Film, der am Sonnabend in Gdynia mit dem Regie- und dem Publikumspreis des nationalen polnischen Filmfestivals gekürt wurde, doch wer hinter dem Titel eine religiöse Erbauungsstudie vermutet, der irrt: Regisseur Jan Komasa, bei uns bekannt durch seinen Berlinale-Beitrag „Suicide Room“ (2011), steckt Daniel stattdessen ins Gewand eines falschen Priesters und gestattet ihm ein spirituelles Erwachen jenseits tradierter Rituale. „Corpus Christi“ ist eine leise, fast tastende Studie über Zutrauen und Vergebung, die Rückgewinnung eines Humanismus, der sich nicht gemein macht mit Institutionen und Regeln der Macht.

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