In einer Zeit, als das Tragen von Baumwollhemden mit großen Karos nicht sofort mit modischer Hoffnungslosigkeit assoziiert wurde, war John C. Fogerty der Coverboy dieser Kleidungsart. Auf kaum einem der im „Rolling Stone“ oder auch der „Bravo“ verbreiteten Bandfotos von Creedence Clearwater Revival war er ohne zu sehen. Hübsch abwechslungsreich in verschiedenen Farben, als gälte es, dem Hang, sich in einsame Waldhütten zurückzuziehen, etwas Geselliges entgegenzusetzen.

CCR, wie die Band um John Fogerty und seinen Bruder Tom bald liebevoll genannt wurde, war in den Jahren um 1970, als die Beatles sich gerade aufgelöst hatten, die erfolgreichste Pop-Band ihrer Zeit. Mit ihren kurzen Stücken in eingängigem Sound landeten sie Charthits in Serie, bis heute gelten „Have You Ever Seen The Rain“, „Proud Mary“, „Hey Tonight“ und „Bad Moon Rising“ als unverwüstliche Evergreens.

Der kommerzielle Erfolg kam für die kalifornische Band, die bis 1967 unter dem Namen The Blue Velvets mehr oder weniger unauffällig agierte, selbst überraschend. Puristen hielten Creedence Clearwater Revival schon Ende der 60er-Jahre für ein geschickt ausgedachtes musikalisches Retroprojekt, wohl nicht zuletzt wegen der Verweise auf einen traditionellen Südstaatenblues. Lange hielt sich hartnäckig der Verdacht, CCR stammten aus Louisiana.

Zum Band-Mythos gehört der legendäre Auftritt beim Woodstock-Festival im Jahre 1969, der dann aber weder im Film zu sehen noch auf dem Album zu hören war, weil John Fogerty die Aufnahmen als schlecht befand. Erst vor gut einem Jahr wurde ein vollständiger Mittschnitt des Konzerts auf Tonträgern veröffentlicht, der CCR vor allem als mitreißend-groovigen Liveact in Erinnerung ruft.

Inzwischen scheint John Fogerty seine Scheu vor technischer Unvollkommenheit abgelegt zu haben. Im Corona-Lockdown des Frühjahrs versammelte der 75-Jährige seine Familie zu einem fröhlichen Bandprojekt und spielte alte Songs unter dem Stichwort „Tiny Desk Home Concerts“ ein, die bald zum YouTube-Hit wurden. Außerdem gab es ein Radio-Special „The Fogerty Rockin’ Family Hour“, bei dem der habituell kaum gealterte John Fogerty mit seinen Kindern Shane, Tyler und Kelsy über Musik und Leben parlierte.

Nun ist das Ergebnis der Familienbande unter dem Titel „Fogerty’s Factory“ erhältlich, angelehnt an „Cosmo’s Factory“, den Titel des 1970 erschienenen fünften CCR-Albums. Neben CCR-Klassikern spielt das muntere Quartett auch Stücke aus dem Great American Songbook, etwa Steve Goodmans „City Of New Orleans“ und Bill Withers’ „Lean On Me“. John Fogerty hat sich immer auch als politischer Künstler verstanden, der sich gegen Rassismus und Umweltzerstörung eingesetzt hat. Nun ist er sichtlich stolz darauf, mit der nächsten Generation daran anzuknüpfen.