Der britische Musiker Paul Weller soll bereits an einem neuen Album arbeiten.
Foto: Universal Music

Im Musikbusiness scheint es kein Rentenalter zu geben. Zumindest wenn man die Karriere von Paul Weller verfolgt: Seit 1972 ist der britische Musiker aktiv. Zuerst mit seiner Band The Jam, mit der er eine zentrale Figur des Mod-Revivals der 70er -Jahre wurde. Dann mit The Style Council, mit denen er ab 1983 New Wave, Pop, Funk und Blue-Eyed-Soul zusammenbrachte. Und schließlich solo seit 1992, wo Weller sich zum Vorbild aller Britpopper entwickelte.

Seitdem sind unzählige Alben des Modfathers, wie man ihn seit den 90er-Jahren nennt, erschienen. Doch Weller wäre nicht Weller, wenn er mit seinem neuen Werk nicht wieder etwas besonders Kniffliges anstellen würde. Das 15. Soloalbum „On Sunset“ durchkreuzt den romantischen Singer-und-Songwriter-Pfad, den der mittlerweile 62-jährigen Brite etwas müde auf dem Vorgängeralbum „True Meanings“ einschlug. Wenn auch Vergangenes ein Thema auf „On Sunset“ ist - und an einigen Stellen retro wirkt -, schafft Weller es, mit einem elektrisierenden Sound, wie man ihn zuletzt auf dem 1993 veröffentlichten Album „Wild Wood“ hörte, seine Hörer in den Bann zu ziehen.

Seit der Coronakrise arbeitet Paul Weller an seinem nächsten Album

Im knapp acht Minuten langen Stück „Mirror Ball“ etwa treibt er wie ein Raumschiff durch verschiedene Klangwelten: Wo er anfangs einem klimpernden Klavier und einer stehenden Diskokugel begegnet, nähert er sich später einem elektronischen Beat und einer fast klingelnden Gitarre. Dort verweilt der Astronaut, ehe er wieder Richtung Erde zieht, wo Streicher und Piano ihn willkommen heißen. „Mirrorball, when will you spin? Light up the room and our lives begin“, singt Weller mit seiner brüchig schönen Stimme und lässt die Erde etwas glitzern. 

„Mirror Ball“ entstand laut der US-Fachzeitschrift Rolling Stone bereits, als Weller an „True Meanings“arbeitete. Doch es passte nicht auf die 2018 erschienene Platte, also hob er es als Opener für das nächste Album auf. Ein Prozess, der nun wieder passiere: Denn Weller arbeitet seit der Coronakrise an seinem nächsten Werk - er kann nicht anders. „Ich bin besessen von Musik“, sagte er dem Rolling Stone. 

Diese Besessenheit zeigt Weller ebenfalls in den anderen Stücken auf „On Sunset“. In „More“ scheint seine Begeisterung für Soul und Krautrock auf, in der Gitarrenballade „Old Father Tyme“ entdeckt er den Funk, während er „Earth Beat“, ein R'n'B-Groover, mit der Freundin (Col3trane) seiner Tochter eingespielt hat. Wer weiß, was daraus noch wird. Weller zeigte sich bekanntlich auch immer als umtriebiger Strippenzieher im Britpop. Und dies würde, wie dieses Album, nur in die beeindruckende Schaffensbahn eines unermüdlichen Musikers passen.

Paul Weller - „On Sunset“ (Polydor/Universal)