Polizeibeamte vor dem Residenzschloß in Dresden - Unbekannte brachen am Montagmorgen in die Schatzkammer des Grünen Gewölbes ein und raubten wertvolle Juwelen. 
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DresdenErst einmal das Offensichtliche, auch wenn es manchen Blitz-Leserbriefschreibern und Politikern schwer fällt einzugestehen: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Auch nicht in den seit dem 17. Jahrhundert tresorartig ausgebauten Räumen des Grünen Gewölbes im Dresdner Schloss. Wenn wie am Montag energische Diebe kommen, die ohne jede Rififi-Raffinesse mit Trennschleifer, Axt, Feuerlöscher und geradezu beleidigender Brutalität zuschlagen, kann man nur versuchen, für den nächsten Fall zu lernen.

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger fordert deswegen eine Taskforce aus Bundes- und Landeskriminalämtern sowie Sicherheitsfachleuten der Museen. Ihm hängt immer noch das Diebstahltrauma der zwar scheußlichen, aber wertvollen Goldmünze aus dem Bode-Museum an.

Staatsministerin Monika Grütters  fordert Expertenkommission

Die Taskforce solle nun beraten, wie man darauf reagiert, dass aus Parzingers Perspektive immer öfter nicht mehr der Kunstwert der gestohlenen Objekte das Ziel von Dieben sei, sondern nur noch ihr Materialwert. Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) fordert eine neue Expertenkommission, um Sicherheit und Öffentlichkeit in den Museen zu vereinbaren. Es handele sich, so Grütters, um „Milliardenwerte“, die zu schützen seien.

Diese Reaktionen grenzen an Populismus. Dass Juwelendiebe brutal zuschlagen können, wissen seit Jahrzehnten alle Schmuckhändler. Ebenfalls ist seit langem bekannt: Die Diebstahlsicherheit in Museen, Bibliotheken und Archiven hängt wesentlich von auskömmlichen Betriebsetats ab. Gerade die aber werden in Deutschland immer wieder gekürzt. Monika Grütters etwa ist zwar ganz groß darin, immense Baugelder zu verteilen – Museum der Moderne, Humboldt-Forum, neue Depots in Berlin, das Hafenmuseum in Hamburg, um nur einige Beispiele zu nennen.

Aber Gelder für den Betrieb all dieser Flächen und damit auch ihre Sicherung zu organisieren, fehlen oft: Selbst die mit Neubaugeldern gehätschelte Preußen-Stiftung muss ihren Betrieb und damit ihre Sicherheit bis heute faktisch mit dem Etat von 1996 finanzieren, der nur durch zeitlich begrenzte Zuschüsse aufgestockt wurde.

Neue Sicherungsanlagen sind zwar teuer, aber man kann sie kaum stolz vorführen

Vor allem aber haben viele kleinere und mittelgroße Institutionen tatsächlich vollkommen veraltete Sicherheitsanlagen und -konzepte, auch kein Geld, um sie zu modernisieren. Oft sind die Bestände nicht einmal angemessen katalogisiert, ein Diebstahl fällt also gar nicht so schnell auf. Museums-, Bibliotheken- und Archivverbände weisen seit Jahren auf diese Lage hin. Der Bund hilft nur im Fall „nationaler Leuchttürme“, die Länder verweisen auf die Kommunen, und die finanzieren lieber Spielplätze oder auch mal ein Ausstellungsevent. Neue Sicherungsanlagen sind zwar teuer, aber man kann sie kaum stolz vorführen.

Bei allem wird übersehen: Aus der Perspektive einer Diebstahl-Ökonomie war der Einbruch in Dresden eher ineffizient. Der Aufwand und die Gefahr, erwischt zu werden, stehen in keiner Relation zum möglichen Gewinn: Die barock geschliffenen Juwelen lassen sich nur schlecht verkaufen. Das diskrete Plündern eines Lagers in einem Stadtmuseum, das Herausschneiden von kostbaren Illustrationen aus alten Büchern, der Diebstahl unkatalogisierter Grafiken bringt da viel mehr ein. Und so etwas geschieht nach Angaben der Fachleute tagtäglich, im Unterschied zu spektakulären Einbrüchen.