Berlin - Das sagen alle, und Pfarrer Tobias Kuske amüsiert sich bisweilen darüber: Der Altar seiner Paul Gerhardt-Kirche in der Wisbyer Straße in Prenzlauer Berg zeigt den schönsten Jesus-Mann, den man sich denken kann, gemalt um 1910 von dem Gemeindemitglied Gerhard Noack. Stilistisch den Spätnazarenern“ nahe, der den Auferstehenden darstellt. Ätherisch, vergeistigt, fast lieblich.

Seit Aschermittwoch sind der von einem Lichtkranz umstrahlte Menschensohn und unter ihm Bibel und Altarkerzen verdeckt von einem düsteren Passionstuch. Die ab-strakte Szene aus Schwarz-Grau-Blau auf weißem Leinen steht für Gewalt, Leid, Tod. Für das, was Menschen anderen Menschen seit Tausenden von Jahren anzutun imstande sind. Dieses Licht-Dunkel-Ur-Drama verstärkt ein Ur-Kreuz – waagerecht und senkrecht, am Querbalken endend – aus rohem Fichtenholz. Die Fastenzeit-Altar- Hülle wird so zur geradezu körperlich schmerzhaften, sperrigen, kruden Kruzifix-Skulptur.

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