Die Villa von der Heydt, Sitz des Präsidenten und der Hauptverwaltung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
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BerlinAuch vier Wochen, nachdem der Wissenschaftsrat sein Papier zur Arbeit und Struktur der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vorgelegt hat, ist die Berliner Politik weitgehend ratlos, wie es weitergehen soll. Das wurde am Montag in der Sitzung des Kulturausschusses des Berliner Senats klar. Dabei wird eine Revolution gefordert: Die Preußen-Stiftung, bisher international einmalig als Dachorganisation der Staatlichen Museen, der Staatsbibliothek, des Geheimen Staatsarchivs, des Ibero-Amerikanischen Instituts und diverser anderer Institute, soll zerschlagen und im Wesentlichen der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien unterstellt werden.

Am vergangenen Freitag hatten als erste Mitarbeiter die Direktoren der Staatlichen Museen vehement ihre Beteiligung bei dem angekündigten Umbau- und Reformprozess gefordert, und zwar mit ausdrücklicher Berufung auf das Wissenschaftsratspapier. Kultursenator Klaus Lederer unterstützte diese jetzt genau so wie die Sprecher aller anderer Parteien explizit: Ohne die Kenntnisse der Mitarbeiter ginge ein solcher Prozess gar nicht. Ebenso einig war man sich darin, dass die Vorstellung, die Stiftung einfach aufzulösen und dem Bund zu unterstellen, mit dem Kulturföderalismus nicht zu vereinbaren sei. Die Länder müssten mitreden, wollten das auch. Aber eine radikale Reform vor allem der Staatlichen Museen, die wurde trotzdem gefordert.

„Louvre“ und „British Museum“ gelten als Maßstab für Berlin

Es fiel auf, dass in der Sitzung die Argumentationswege des Wissenschaftsratsgutachtens teilweise im Wortlaut übernommen und nicht kritisch hinterfragt wurden, auch die Schlussfolgerung, dass vor allem die Staatlichen Museen angeblich den internationalen Standard verfehlten. Aber warum wurde das Institut für Musikforschung so negativ bewertet, warum sagte der Wissenschaftsrat so wenig zur Zukunft des geplanten Forschungszentrums in den bisherigen Museumsgebäuden in Dahlem, wie geht es weiter mit dem Kulturforum? Immer wieder kamen die Schlagworte „Louvre“ und „British Museum“ als Maßstab für Berlin. Aber alleine Kultursenator Klaus Lederer verwies darauf, dass auch in Deutschland selbst große Kulturkooperationen von Häusern ganz unterschiedlicher Aufgabe bestehen. Etwa die Klassiker-Stiftung in Weimar. Man sollte sich bei denen erkundigen, wie sie arbeiten – und überhaupt Ratschlag von außen einholen, statt mit der angekündigten internen Kommission zu agieren.

Lederer stellte aber auch fest – und ging mit der Anregung, das zu ändern, deutlich über das Gutachten hinaus –, dass Berlin als einziges aller Bundesländer seinen Beitrag zum Stiftungshaushalt nicht gedeckelt habe. Immer wieder könne es deswegen Zusatzgelder zur Verfügung stellen. Zwar sei die Kritik des Bundes und des Wissenschaftsrats an der Starrheit des Berliner Zweijahreshaushalts berechtigt, dieser verhindere manche schnelle Finanzierung. Doch müssten, so Lederer, jetzt auch die anderen deutschen Länder in die Verantwortung gehen, wenn die Reform gelingen solle. Die Kultusministerkonferenz werde sich sicher auch mit diesem Thema beschäftigen.