Die Furcht, zum Nazi-Pilgerort zu werden, ist verständlich. Aber sie ändert nichts daran, dass auch die Überreste des SS-Offiziers und Kriegsverbrechers Erich Priebke, gestorben hundertjährig am letzten Freitag, menschlich sind. Sie müssen irgendwo hin, sie benötigen irgendeine Ruhestätte. In Italien will man Priebkes Leichnam nicht, denn hier, in den Ardeatinischen Höhlen nahe Rom, war er im März 1944 an der Massenexekution von 335 italienischen Zivilisten beteiligt; mindestens zweimal schoss Priebke bei dieser Vergeltungsaktion nach einem Partisanen-Attentat selbst. Auch das Bistum Rom lehnte eine Bestattung nach katholischem Ritus ab. Wenn dann nur heimlich und keine Segnung des Leichnams in einem Gotteshaus.

Einst half die Kirche Priebke: Franziskaner versteckten ihn nach dem Krieg im Kloster, ein Bischof verschaffte ihm einen falschen Pass für die Flucht nach Argentinien. Auch dort, wo Priebke viele Jahrzehnte bis zu seiner Auslieferung an Italien 1995 unbehelligt lebte und wo seine Ehefrau begraben liegt, will man den Toten nicht. Also wohin mit ihm? Verbrennen? Die Asche heimlich über irgendeinem großen Meer verstreuen? Das wäre, sollte es gegen den Willen der Angehörigen geschehen, barbarisch.

Kein Urnengrab in Berlin

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Roms, Riccardo Pacifici, forderte, dass Priebkes Asche an seinem Geburtsort bestattet werden solle. Also in Hennigsdorf bei Berlin, wo Priebke 1913 auf die Welt kam. Hier aber − wo sich schon zum 99. Priebke-Geburtstag ein paar Fackelträger zeigten − winkte man ganz schnell ab und sieht „keine Grundlage für eine Beerdigung“. Keine Grundlage? Nicht einmal die vierzig mal vierzig Zentimeter für ein Urnengrab?

Man versteckt sich hinter der Friedhofsordnung, nach der nur Einwohner der Stadt auf dem städtischen Friedhof unter die Erde dürften. So hat man vorauseilend seine Unzuständigkeit bekundet, wo man sich seiner Verantwortung hätte stellen können. Das ist peinlich. Und es war unnötig. Denn von einem Wunsch der Angehörigen, dass sie Priebke in Hennigsdorf zur Ruhe betten wollten, ist nichts bekannt.

Eine Lösung muss bald her. Und siehe da, der Text ist noch nicht fertig, da meldet die italienische Tageszeitung „Il Tiempo“, dass die traditionalistischen Pius-Brüder, zu denen auch der Holocaust-Leugner Richard Williamson gehört, am Dienstagnachmittag für Priebke eine Totenmesse an ihrem Hauptsitz bei Rom abhalten wollen. Öffentlichkeitswirksamer als nötig walten sie ihres barmherzigen Amtes. Sie werden wohl auch einen Platz für ein Grab finden. Mögen Priebke und seine Untaten nicht zu schnell vergessen werden. Das Gedenken aber gehört seinen Opfern.