Prinz Andrew, 60, sieht sich in der Epstein-Affäre um den Missbrauch minderjähriger Frauen unter wachsendem Druck. Eine Richterin in New Yorker hat jetzt der Veröffentlichung bislang verschlossener Gerichtsakten zugestimmt. Sie stammen aus der Zivilklage, die Virginia Roberts Giuffre, 36, gegen die langjährige Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell, 59, erhoben hatte. In den Dokumenten beschreibt Roberts Guiffre detailliert, wie sie vor etwa 20 Jahren von Maxwell zum Sex mit Epstein und anderen Männern angeworben wurde. In den Schilderungen taucht auch der Name Prinz Andrews immer wieder auf.

Die Gerichtsakten stammen aus dem Jahre 2016 und wurden jetzt freigegeben, nachdem der Miami Harald geklagt hatte – die Zeitung ist im Fall Jeffrey Epstein sehr engagiert und machte schon sehr früh auf das Schicksal von Roberts Guiffre aufmerksam. Die Bundesrichterin am District Court for the Southern District of New York, Loretta A. Preska, begründete ihre Entscheidung damit, dass der Zivilprozess gegen Maxwell beigelegt worden sei, verfügte aber auch, dass etliche, das Privatleben Maxwells berührende Passagen geschwärzt werden.

Doch zurück zu Prinz Andrew. Der Name des britischen Royals fällt auch in einer eidesstattlichen Erklärung von Andrew Figueroa, einem ehemaligen Freund von Roberts Guiffre. Er sagte aus, die seinerzeit 17-Jährige sei von Epstein und Maxwell insgesamt dreimal zum Sex mit Prinz Andrew aufgefordert worden. Allerdings geht aus den jetzt veröffentlichten Gerichtsakten hervor, dass Maxwell ebenfalls eidesstattlich versicherte, sich nicht mehr an die Reise nach London erinnern zu können, bei der Roberts Guiffre mit dem Prinzen Sex gehabt haben will.

Die neu veröffentlichten Dokumente enthalten auch die Aussage von Johanna Sjoberg, 40. Die Studentin wurde demnach von Maxwell aus dem College gelockt und als Assistentin für Epstein engagiert. Doch wurde sie von Maxwell offenbar auch zu Prinz Andrew geschickt. Dem Royal hatte sie bereits in einer früheren Aussage vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben. Laut Sjoberg sei er ihr auf einer Couch mit einer Prinz-Andrew-Puppe aus der TV-Serie „Spitting Images“ zu Leibe gerückt und habe ihr mit deren Latex-Händen an die Brust gegrapscht.

Epsteins ehemaliger Pilot des „Lolita-Express“ sagt aus

Der jüngste Sohn der Queen war nach Roberts’ Vorwürfen bereits im November 2019 von allen offiziellen Auftritten als Royal zurückgetreten. Obwohl er offiziell seine Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden in New York angeboten hatte, weigert er sich bis heute, sich vom FBI über seine Verwicklungen mit Epstein und Maxwell befragen zu lassen. Sollte er damit die Absicht verfolgen, sich aus der Verantwortung oder zumindest aus der Öffentlichkeit zu ziehen, so scheint sein Plan nach den neuesten Veröffentlichungen nicht zu verfangen. 

Am Wochenende hatte übrigens der britische Daily Mirror geschrieben, er habe Epsteins langjährigen Piloten, David Rodgers, in dessen Haus in Lake Worth, Florida, aufgespürt. Ihm wurden im sogenannten „Lolita-Express“ allerlei prominente Fluggäste anvertraut. Dazu gehörte neben Prinz Andrew zum Beispiel auch Bill Clinton. Er soll mit den Behörden kooperieren, seine Aussagen könnten mitsamt den Passagierlisten darüber Auskunft geben, wohin genau welcher Promi geflogen worden ist. Kurzum, nicht nur für Prinz Andrew wird es eng.

Der Milliardär Jeffrey Epstein wurde im August 2019, einen Monat nach seiner Verhaftung in seiner Gefängniszelle in Manhattan aufgehängt gefunden. Sein Tod wurde als Selbstmord eingestuft. Ghislaine Maxwell befindet sich seit Juli 2020 in einem New Yorker Bundesgefängnis und wartet auf den Prozess, unter anderem wegen Sexhandel und Meineid.