Prinz Harry, 36, erkundet seinen Bewusstseinskeller, psychoanalytisch auch das Unbewusste genannt, und entdeckt dort rassistische Vorurteile. Im Gespräch mit dem „Black Lives Matter“-Aktivisten Patrick Hutchinson für das Männermagazin „GQ“ erklärt der britische Royal seine anfängliche Ahnungslosigkeit, eine gefährliche Unschuld, wie er lernen musste: „Von meinem Verständnis her, mit der Kindheit und der Ausbildung, die ich hatte, ich hatte keine Ahnung, was unbewusste rassistische Vorurteile sind. Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt.“ Erst durch das Zusammensein mit seiner Ehefrau Meghan, 39, habe er diese Vorurteile erkannt: „Und dann, so traurig das auch ist zu sagen, hat es viele, viele Jahre gedauert, bis ich das verstanden habe – besonders als ich das in der Perspektive meiner Ehefrau gesehen habe.“

Prinz Harry und Herzogin Meghan haben Ende März ihre royalen Pflichten abgegeben und mit ihrem Sohn Archie ihren Lebensmittelpunkt von England nach Los Angeles verlegt. Im Interview erzählt der Herzog von Sussex auch, dass es „sehr interessant“ sei, die „Black Lives Matter“-Bewegung von Amerika aus zu verfolgen und zu erleben. Jeder Tag sei ein Lernprozess. Der Prinz sprach mit Hutchinson über die Proteste und was darüber hinaus zu tun sei, um Rassismus zu bekämpfen. Der schwarze Aktivist wurde im Juni für seine Zivilcourage berühmt: Während einer Demonstration in London trug Hutchinson einen weißen Gegendemonstranten, der zu Boden gegangen war, inmitten von Krawallen in Sicherheit. Ein Lebensretter!

Die beiden Väter haben außerdem auch über ihre Verantwortung als Vorbilder gesprochen. Prinz Harry sagte, der Sinn seines Lebens bestehe darin, „die Welt als einen besseren Ort zu verlassen“. Erst Anfang Oktober hatten er und seine Frau zu Beginn des Black History Months mit dem britischen „Standard“ über ähnliche Themen gesprochen. Dort erwähnten Harry und Meghan eine Reihe von bedeutsamen Vertretern der Antirassismus-Bewegung – darunter auch Hutchinson.

Minh-Khai Phan-Thi, 46, kämpft gegen rassistische Vorurteile, mögen sie nun bewusst oder unbewusst sein. In dem Magazin „Bunte“ schildert die Schauspielerin ihren Alltag und die hier unvermindert und regelmäßigen, mitunter knapp an Tätlichkeiten vorbeischrammenden Anfeindungen. „Ich werde auf offener Straße rassistisch beschimpft“, sagte Phan-Thi, deren Eltern aus Vietnam stammen. Neulich habe sie ein weißer Mann auf der Straße angeschrien mit den Worten: „Geh nach Hause, du blöder Japse!“ Phan-Thi spricht mittlerweile mit anderen Betroffenen in ihrem Podcast „Anderssein“ über diese Erfahrungen. „Heute bestimme ich, wann ich über mein Aussehen oder meine Herkunft rede.“ Es komme darauf an, über das Anderssein zu sprechen, ohne sich anders zu fühlen.

Schauspielerin Minh-Khai Phan-Thi:„ Ich werde auf der Straße rassistisch beschimpft.“
Foto: dpa/Henning Kaiser

Die Künstlerin verfolgt dabei eine durchaus breitere politische Agenda. Ihr gehe es, wie sie sagt, um eine bessere Wahrnehmung des Rassismus in unserer Gesellschaft, er reicht von alltäglichen, häufig nur mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommenen Diskriminierungen bis hin zu massiven Gewalterfahrungen. Phan-Thi engagiert sich schon länger in dieser Richtung. 2008 war sie im „Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs“ die Botschafterin Deutschlands. Die Kampagne der Europäischen Kommission sollte die Menschen in allen 28 EU-Ländern über die Vorteile von Vielfalt informieren und sie für einen interkulturellen Austausch begeistern.

Chrissy Teigen, 34, hatte in der letzten Zeit mit ganz anderen Anfeindungen zu tun. Vor rund vier Wochen erlitt das Model eine Fehlgeburt und teilte diese Erfahrung ausführlich und auch mit Fotos aus dem Krankenhaus in den sozialen Netzwerken. Dafür wurde sie zum teilweise angegangen. Das hat sie nun in einem Essay verarbeitet, der auf der Online-Publishing-Plattform „Medium“ erschien. „Ich kann nicht ausdrücken, wie wenig es mich interessiert, dass sie die Fotos hassen. Ich habe es so erlebt, ich habe beschlossen, es so zu tun, und vor allem sind die Fotos für niemanden gedacht, außer für die Menschen, die so etwas erlebt haben oder neugierig genug sind, sich zu fragen, wie so etwas ist. Diese Fotos sind nur für die Menschen, die sie brauchen.“

Chrissy Teigen verarbeitet ihre Fehlgeburt in einem ausführlichen Essay.
Foto: dpa/Jordan Strauss

Teigen weiter: „Leute sagen, eine Erfahrung wie diese erzeugt ein Loch in deinem Herzen. Ein Loch wurde sicherlich gemacht, aber es wurde mit der Liebe zu etwas gefüllt, das ich so sehr liebte.“ Teigen und ihr Ehemann, der Musiker John Legend, hatten Anfang Oktober bekannt gegeben, dass sie ihr drittes Kind in der 20. Schwangerschaftswoche verloren haben. Die beiden haben bereits zwei Kinder: Luna (4) und Miles (2).