Jahrelang schien RTL die Gunst der Zuschauer dauerhaft gepachtet zu haben. Seit einigen Monaten sinken nun aber Quoten wie Marktanteile, und die Konkurrenz wittert ihre Chance, den Marktführer im jungen Publikum übertrumpfen zu können. An diesem Mittwochabend verrät nun der neue RTL-Geschäftsführer Frank Hoffmann auf einer Präsentation in Hamburg, mit welchen Neuigkeiten im Programm er gegensteuern und das Tief seines Senders überwinden will. Wir hätten da noch ein paar Zusatztipps.

1. Ein Schuss Überraschung!

Jahrelang hat RTL davon profitiert, dass die Zuschauer sehr genau wussten, was sie von ihrem Sender erwarten können: montags „Bauer sucht Frau“, dienstags „Dr. House“, mittwochs „Super-Nanny“, donnerstags „Alarm für Cobra 11“ und „CSI“ – und so weiter. Die Faszination der Verlässlichkeit hat sich inzwischen zur Langeweile gewandelt. Höchste Zeit für ein paar Überraschungen! Das Werkzeug dafür hält RTL ja schon in der Hand: Seit einer kleinen Ewigkeit sind eigenproduzierte Sitcoms in Vorbereitung und liegen im Sender rum: „Sekretärinnen“, „Der Lehrer“ und „Die neuen Abenteuer der alten Christine“ mit Diana Amft. Lasst die Zuschauer entscheiden, ob sie die nicht endlich sehen wollen!

2. Weniger Bohlen!

Ja, der Mann ist unterhaltsam – gewesen. Aber sich selbst überschätzende „Superstar“-Kandidaten mit Fistelstimmchen hat Dieter Bohlen inzwischen zur Genüge in den Boden gerammt. Und sein Allmachtsanspruch hinterm Jurypult nervt inzwischen nicht mehr nur die daneben sitzenden Kollegen. Grund genug, es bei DSDS mal ohne „Poptitan“ zu versuchen. Dafür ist die Angst beim Sender aber vermutlich zu groß. In Bild hat Bohlen gerade schon die neuen Pläne für „seine“ Show vorangekündigt. Und aus der „Supertalent“-Arena lässt er sich auch nicht so schnell verjagen. Was für ein Pech.

3. Neue Gesichter!

Den Aufbau junger Talente überlässt RTL innerhalb der Mediengruppe bisher eher dem Schwestersender Vox – dabei könnte es sich durchaus lohnen, konsequenter Nachwuchsförderung zu betreiben. Alleine schon, um Daniel Hartwich zu entlasten, der ja einst genau von diesem Mut profitierte, jetzt aber so viele Shows moderieren muss, dass der Verschleiß nicht ausbleiben wird. In zweieinhalb Wochen soll Hartwich dem Publikum am Freitagabend erst die Neuauflage des „Familien-Duells“ schmackhaft machen und führt gleich danach durch „Cash Crash V.I.P.“. Sonderlich clever ist das nicht. Dabei bewies RTL in der Vergangenheit immer mal wieder echten Gründergeist – zum Beispiel mit der Comedyshow „RTL Samstag Nacht“, wo sich Wigald Boning, Olli Dittrich, Esther Schweins und Stefan Jürgens ausprobieren konnten.

Und vor drei Jahren lief mal kurz die Satiresendung „TV-Helden“. Zu den Protagonisten gehörte damals: Jan Böhmermann, die heutige Dauerfeuerallzweckwaffe der öffentlich-rechtlichen Digitalsparte. Mag ja sein, dass der in eine RTL-Unterhaltungsshow so gut passt wie Thomas Gottschalk ins ARD-Vorabendprogramm. Aber wer sagt denn, dass es bei den Privaten zu später Stunde nicht auch mal ein bisschen weniger olivergeißig zugehen darf?

4. Mehr Engagement!

In Großbritannien gehört es dazu, dass Fernsehen nicht bloß unterhält – sondern sich auch für eine gute Sache einsetzt. Promi-Köche, Promi-Landwirte und Promi-Shoppingexperten kümmern sich beim britischen Channel 4 darum, die Fischfangpolitik der EU zu beeinflussen, unsere Konsumgewohnheiten zu hinterfragen und den verlassenen Hauptstraßen kleiner Städtchen wieder neues Leben einzuhauchen. Klingt kompliziert – ist aber kein „Telekolleg“, sondern klassisches Reality-Fernsehen mit starken Protagonisten und spannenden Geschichten. Dass RTL sowas beherrscht, hat der Sender gerade bei „Rach deckt auf“ bewiesen, als Christian Rach bei Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner und im Finanzministerium vorstellig wurde, um besseres Kantinenessen in Schulen durchzusetzen. Das ist spannender als die Streit- und Krawall-Dokusoaps, mit denen bisher Programm gemacht wird. Wie lange Rach dem Sender allerdings erhalten bleibt, ist offen. Das ZDF bestätigte am Dienstag Verhandlungen mit dem „Restauranttester“.

5. Ein Fitzelchen Ironie!

Mag ja sein, dass ironische Kommentare nur im Dschungelcamp funktionieren, weil dann sowieso ein Mal im Jahr für zwei Wochen Ausnahmesituation herrscht. Aber es behauptet ja niemand, dass RTL sich jetzt ständig im eigenen Programm selbst auf die Schippe nehmen müsse. Sowas wohldosiert am späten Abend zu versuchen, reicht ja schon. Selbst das lange Zeit völlig ironiefreie ZDF ist damit ganz gut gefahren – und erntet jetzt mit der „heute show“ den Erfolg beim Publikum. Es gibt keinen Grund, warum RTL das nicht auch können sollte! Also ran, Böhmermann!