BerlinPhilippe Lançon beschreibt das Selbstverständnis von Charlie Hebdo: Es sei immer eine kleine Zeitschrift gewesen, eine gegenkulturelle Unternehmung, die frei handelte und ihre krassen Witze sozusagen von der Seite in die Öffentlichkeit einschleuste. Nun habe sich alles geändert. Jetzt stehe der Staat für diese Form der Satire ein. Lançon sagte das am Donnerstag bei einer Preisverleihung auf die Frage, wie er den Prozess gegen Terroristen erlebe, die im Januar 2015 in die Redaktion der Zeitschrift eindrangen und dort und noch an weiteren Orten insgesamt 17 Menschen töteten. Philippe Lançon selbst überlebte schwer verletzt, mit zerschossenem Kiefer. Über seine Zeit im Krankenhaus und die Wiederbegegnung mit so etwas wie Alltag schrieb er den Roman „Der Fetzen“.

Das Buch hat in Frankreich wichtige Literaturpreise erhalten. Im März 2019 in deutscher Übersetzung von Nicola Denis erschienen, fand es auch hierzulande ein großes Echo. Und nun entschied sich die kleine deutsch-französische Kulturgesellschaft mit dem schönen Namen Académie de Berlin, Lançon ihren Preis zuzuerkennen, den Prix de l’Académie de Berlin. Im vergangenen Jahr, als Annie Ernaux geehrt wurde, reiste die damals 79-Jährige zur feierlichen Veranstaltung nach Deutschland. Diesmal konnten sich der Laudator Nils Minkmar und der Preisträger nur über einen Bildschirm sehen und auch das Publikum schaute via Zoom zu.

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