Placido Domingo, Opernsänger aus Spanien.
Foto: dpa/Christian Charisius

BerlinDer Verein Pro Quote Bühne protestiert gegen einen für Donnerstag geplanten Auftritt des Opernsängers Plácido Domingo in der Aufführung von Verdis "La Traviata" in der Staatsoper. In einem Offenen Brief vom Dienstagabend an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller, Kultursenator Klaus Lederer und den Intendanten der Staatsoper Matthias Schulz erinnert der Verein daran, dass Domingo in den USA "aktuell von neun Frauen der sexuellen Belästigung beschuldigt" wird und dass es aus diesen Gründen in den Opernhäusern von San Francisco, Philadelphia, Los Angeles und New York bis zur Klärung der Vorwürfe ein Auftrittsverbot für ihn gebe. 

Mit Verweis auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Deutschland, das Arbeitnehmer unter Schutz stellt, fordert Pro Quote Bühne nicht nur ein Auftrittsverbot für Domingo auf deutschen Bühnen, sondern auch "politische Konsequenzen für das Fehlverhalten von Intendant*innen, die gesetzliche Vorgaben missachten".

Staatsoper hält an Domingo fest

Staatsopern-Intendant Matthias Schulz äußerte sich am Mittwochnachmittag in einem Statment. Sein Haus nehme jeden Vorwurf sexueller Belästigung sehr ernst. Die Sicherheit der Mitarbeiter und Künstler habe zu jedem Zeitpunkt oberste Priorität. „In diesem konkreten Fall halten wir an den Auftritten von Plácido Domingo, der sich bei uns am Haus immer vorbildlich verhalten hat, fest und sehen keine ausreichende Grundlage für eine Vorverurteilung und dafür, den seit langem gültigen Vertrag zu brechen.“

Im August 2019 wurden gegen den berühmten Sänger von mehreren Frauen Vorwürfe sexueller Belästigung erhoben, unter anderen von der Sängerin Angela Turner Wilson, die berichtete, dass Domingo ihr bei einem gemeinsamen Auftritt in Washington im Jahr 1999  auf schmerzhafte Weise an die Brust gefasst hätte. Domingo hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und wollte die sexuellen Kontakte als einvernehmlich verstanden wissen, räumte jedoch ein: "Ich erkenne allerdings, dass die Regeln und Standards, an denen wir heute gemessen werden, ganz andere sind als in der Vergangenheit". Als Chef der Los Angeles Opera trat er zurück, dort leitete man eine Untersuchung ein.  

Der Verein Pro Quote Bühne ist eine Vereinigung von Theaterschaffenden, die sich im Oktober 2017 in Berlin mit dem Zweck gegründet hat, die Geschlechtergerechtigkeit auf deutschen Bühnen zu fördern. Der Vorstand besteht aus den Regisseurinnen France-Elena Damian und Eva Jankowski sowie den Schauspielerinnen und Regisseurinnen Helena Kontoudakis und Angelika Zacek. Die Aufführung von "La Traviata" unter der musikalischen Leitung von Thomas Guggeis, in der Domingo die Partie des Giorgio singt, ist ausverkauft.