Das Konzern-Logo der Pro Sieben Sat.1 Media AG.
Foto: dpa/Andreas Gebert

Anonyme Schreiben sind nichts womit man sich länger aufhalten sollte. Ein solches Schreiben erreichte kürzlich den Aufsichtsrat der Senderfamilie Pro Sieben Sat 1. Darin wird gefordert das Gremium solle den in diesem Frühjahr zur Verlängerung anstehenden Vertrag von Konzernchef Max Conze auslaufen lassen.

Normalerweise wäre dies nicht der Rede wert. Aber was ist in diesen Tagen bei Pro Sieben Sat 1 schon normal? Bei der Senderfamilie brennt die Hütte. Conze gilt als angezählt. Er manage „die angeschlagene Sendergruppe an den Rand des Abgrunds“, schrieb zum Jahreswende das „Manager Magazin“.

Anonymes Schreiben fiel auf fruchtbaren Boden

In einem langen Artikel führt das Blatt auf, was bei Pro Sieben Sat 1 so alles schief läuft: Die Liste reicht von schrumpfenden Werbeerlösen, steigenden Schulden, Problemen bei der E-Commerce-Tochter NuCom bis hin zum suboptimalen Aktienkurs des Konzerns. Der hat sich in Conzes Amtszeit nahezu halbiert. Den günstigen Kurs nutzte das Medienunternehmen Mediaset des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zum Einstieg. Es hält nun 15,1 Prozent der Anteile. Bei Pro Sieben Sat 1 befürchtet man, die Italiener könnten in Kürze die Sendergruppe komplett übernehmen.

Angesichts der miesen Stimmung am Konzernsitz in Unterföhring bei München fiel das anonyme Schreiben, zu dem sich Pro Sieben Sat 1 nicht äußern mag, auf fruchtbaren Boden. An einer Stelle spricht der Anonymus einen Sachverhalt an, der für die Senderfamilie zu einem echten Problem werden könnte: Denn nicht nur der Vertrag des Konzernchefs steht zur Verlängerung an. Dies gilt auch für den Kontrakt seines Stellvertreters Conrad Albert.

Das Verhältnis der beiden zueinander gilt als schwierig. Im Gegensatz zum branchenfremden Conze, der 2018 vom Staubsaugerhersteller Dyson kam, ist Albert seit 2005 im Unternehmen und seit 2011 Vorstandsmitglied. 2018 war er fünf Monate lang sogar vorübergehend Vorstandsvorsitzender. Er soll sich Hoffnungen gemacht haben, den Posten dauerhaft zu behalten. Doch dann kam Conze. Nur aus Pflichtgefühl erfülle Albert noch seinen Vertrag, heißt es in Senderkreisen.

Der Jurist gilt, anders als Conze, als kommunikationsstark und gut vernetzt in der Branche. Einer der wenigen Erfolge jüngsten Zeit gehe wesentlich auf sein Konto, heißt es. Zwar sei es die Idee des einstigen Staubsauger-Managers gewesen aus dem defizitären Streamingdienst Maxdome die Online-Plattform Joyn zu machen. Doch dass dort mit Ausnahme der Sender von RTL Deutschland auch nahezu alle Wettbewerber von Pro Sieben Sat 1 vertreten sind, sei Alberts Verdienst. Sollte der Aufsichtsrat Conzes Vertrag verlängern, so die Befürchtung nicht weniger Mitarbeiter, könnte dessen beliebter Stellvertreter nach dem Auslaufen seines Arbeitspapiers seinen Hut nehmen.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund eines juristischen Einwands wurde dieser Text am 2.3.2020 aktualisiert.