Ein Werk des Künstlers Lerato Shadi bei der Berlin Art Week. 
Foto: John Macdougall/AFP

BerlinDie besten Schmiermittel für gute Geschäfte sind Tratsch und Anekdoten. Keine Wirtschaftsbranche, die auf sie verzichten kann. Wer wird mit wem gesehen? Was bahnt sich im Verborgenen an? Wer, in welchem Markt auch immer, von Bedeutung ist oder nach Anerkennung strebt, weiß um den Wert der Produktivkraft Party am Rande oder im Zentrum der großen Messen. Beim launigen Zusammensein werden selten Verträge unterzeichnet, doch fast immer sind gute Abschlüsse begleitet von charmanten oder auch flapsigen Bemerkungen. Konversation ist Probehandeln, das auf gute Gelegenheiten lauert.

Das gilt für Industriemessen ebenso wie für jenes bisweilen schwer zu durchschauende Marktgeschehen, bei dem die Werke schöner und wertvoller Kunst den Besitzer wechseln. Berlin war dabei seit jeher ein besonderer Ort. Die Partys waren nicht unbedingt glamourös, aber stets besonders, und im Lichte der Berliner Hemdsärmeligkeit überragte der Austausch des symbolischen Kapitals nicht selten den des ökonomischen. Als Stadt, in der nicht nur bildende Künstler, sondern Größen aus fast allen Zünften beheimatet sind, lebt Berlin vom zufälligen Neben- und Miteinander. Man trifft einander spontan und verliert sich – und findet vielleicht doch wieder zusammen. „Berlin ist zu groß für Berlin“ – dieser wunderbare Buchtitel des Schauspielers Hanns Zischler gilt insbesondere auch für die Kunststadt Berlin, in der coronabedingt sich in den nächsten Tagen die ansonsten fein säuberlich voneinander getrennten Kunstereignisse Art Week Berlin, Position Berlin Art Fair, Gallery Weekend und Kunstbiennale wechselseitig überlagern. Fast fühlt es sich an wie ein Spreading-Event, ein Ausbruchsgeschehen der besonderen Art. Kunst und Künstler wollen gesehen werden.

Und so mangelt es denn auch nicht an attraktiven Schauwerten, auch wenn die Kunstmetropole Berlin zuletzt mehr mit dem Rückzug der Sammler von sich reden gemacht hat als von spektakulären Schauen. Corona macht nicht nur krank, es bedroht auch die Existenzgrundlagen von Künstlern und Galerien. Viele Künstler halten sich nur noch durch Nebenjobs über Wasser, und selbst die sind durch den Druck, den die Pandemie auf den Arbeitsmarkt ausübt, gefährdet.

Der internationale Austausch reduziert sich diesmal auf das Nötigste. Die Pandemie hat die eben noch leichte Überbrückung der Wege zwischen Basel, Miami und London drastisch verlangsamt. Berlin aber hat sich seine große Stärke bewahrt: die Schaulust der Einheimischen und die kreative Kraft gleich um die Ecke. Die große Party fällt aus, aber die Räume für Begegnungen sind eröffnet.