Berlin - Die Schweißperlen glitzern auf Juris Gesicht, als er mit fast glücklichem Lächeln das letzte Paket auf die Fußmatte sinken lässt. Offenbar hat er die Treppe etliche Male hochstampfen müssen, bis die Bestellung komplett war für die Studentin, die nun in der Wohnungstür steht und nüchtern verkündet: „Ach äh, dahinten ist übrigens ein Aufzug. Haben Sie wohl nicht gesehen, oder?“ Nicht, dass sie Juri kränken wollte. Die schlichte Ignoranz niederen Arbeiten gegenüber mag sie zu der naiven, kleinen Spätinformation getrieben haben. Oder einfach der Drang, gegen die sichtliche Anstrengung des Kuriers noch etwas Freundliches über ihr Haus zu sagen. Doch als sie merkt, wie blankes Entsetzten in Juris Augen aufsteigt, rudert sie zurück: „Scheiß Job, oder? Aber o. k., ich hab ja keine Ahnung“ und die Tür fällt zu.

Es ist ein kurzer und doch unendlich detailreicher Moment, der sich in den wenigen Blicken und Sätzen vor dieser Wohnungstür abspielt. Aber er konzentriert fast schon das ganze Spektrum des sehr genauen, kleinen, feinen Films, den Adrian Figueroa über die gegenwärtige Beschaffenheit unserer Arbeitswelt gedreht hat. Über Sprachlosigkeit, Scham und Ignoranz.

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