Seine Netzwerke in der Bundespolitik, in den Ministerien und in der SPD haben nicht gehalten: Frank Pronold
Foto: Susie Knoll

Berlin Es war überfällig, und, so hart es für den Betroffenen ist, es war auch nötig: Frank Pronold, Staatssekretär und ehemaliger SPD-Vorsitzender von Bayern, zieht seine Bewerbung für den Direktorenposten der kommenden Bundesstiftung Bauakademie in Berlin zurück. Zu groß war der Druck geworden, zu einhellig die Ablehnung aus wirklich der gesamten Fachwelt, zu deutlich seine bis in die Sprache und die fehlenden historischen Kenntnisse hinein reichende fachliche Disqualifikation für diesen Job. 

Zwar gewann Pronold einen arbeitsrechtlichen Prozess gegen einen klagenden Konkurrenten, weil das Gericht reichlich formalistisch feststellte, dass die Bundesstiftung ja privatrechtlich begründet sei, entsprechend auswählen könne, wen sie wolle. Doch den anderen Prozess verlor er mit Aplomp. Dieses Gericht nämlich stellte fest, dass eine Stiftung, die finanziell zu 100 Prozent vom Bund getragen wird, die Bundesstiftung heißt, die der staatlichen Baupolitik diesen soll, sich auch an das öffentliche Vergaberecht zu halten habe. Und da geht es um Qualifikation.

Politisch motivierte Besetzung

Ausnahmsweise einmal haben Proteste gegen eine allzu offenkundig  politisch motivierte Personalbesetzung Wirkung gezeitigt. Für den karrierebewussten Pronold ist das eine Blamage:Danke! Noch peinlicher aber ist die Sache für die Bundesbaupolitik: Der erste Direktor der Bundesstiftung sollte nämlich erst einmal eine Idee erarbeiten, was diese Bundesstiftung eigentlich tun wird. Irgendwie, das ist beschlossen, soll es um die öffentliche Darstellung von Architektur-, Raumplanungs- und Baupolitik gehen. Sonst aber steht nur fest, dass die Fassaden des Hauses für die Bundesstiftung jenem Bau gleichen sollen, der 1834 nach den Plänen Karl Friedrich Schinkels am Kupfergraben als „Roter Kasten“ entstand und 1961 ruchlos auf Befehl der SED abgerissen wurde. Das Geld dafür hat der Bundestag, wesentlich auf Betreiben des inzwischen einschlägig als Netzwerker bekannten Hamburger SPD-Abgeordneten Johannes Kahrs, frei gegeben.

Bewerbungsverfahren muss neu aufgerollt werden

62 Millionen für eine Fassade – ohne das klar war, was eigentlich hinter dieser Fassade passieren soll: Dies Schema kennen wir vom Projekt Humboldtforum hinter nachgebauten Schlossfassaden. Es geht also letztlich auch um ein Desaster der Bundes-Kulturpolitik. Ob sich die Bundesstiftung Bauakademie von dem rundum misslungenen Fehlstart erholen kann? Das wird sich auch daran zeigen, ob die Politik begriffen hat, dass diese Stelle eben wirklich nur mit von in der Fachwelt hervorragend vernetzten und gut renommierten  Leuten besetzt werden kann. Selbstverständlich muss nun auch das Bewerbungsverfahren neu aufgerollt werden – und die Auswahlkommission, die sich mit dem Votum für den Nicht-Fachmann Pronold so grandios blamiert hat, muss vollkommen neu besetzt werden. Ansonsten ist zu befürchten, dass die kürzliche Demontage der Kulissenfassade der Bauakademie nicht nur Unwettervorsorge, sondern das Schicksal dieses Projekts bedeutete.