Der russisch-ukrainische Konflikt ist längst nicht vorüber, doch den Informationskrieg hat die Ukraine schon verloren. Auf dem Feld der politischen Propaganda erwies sich Russland als haushoch überlegen. Den russischen Propagandainstitutionen – vom Fernsehsender Russia Today bis zu zahllosen PR-Agenturen in den europäischen Hauptstädten – ist es gelungen, die russische Sicht auf die Ereignisse in weiten Kreisen der westlichen Öffentlichkeit als plausibel erscheinen zu lassen.

Die Ukraine dagegen kommt stets einen Schritt zu spät. So gilt es vielen im Westen als erwiesen, dass die Proteste auf dem Kiewer Maidan von Faschisten unterwandert, der Regierungswechsel ein Putsch, die neuen Machthaber eine Junta und der Anschluss der Krim vielleicht ein wenig völkerrechtswidrig, im Ganzen aber ein Akt historischer Gerechtigkeit waren.

An diesem Zerrbild soll sich künftig etwas ändern. Jetzt will auch die Ukraine einen Fernsehsender für die Auslandspropaganda installieren, der dagegen halten soll. Über die Pläne informierte der Nationale Sicherheitsrat in Kiew in dieser Woche. Dessen Vizechefin Viktoria Sjumar sagte, gesendet werden solle in englischer und russischer Sprache. Es werde ein staatlicher TV-Kanal, der staatlichen Interessen diene, fügte sie zur Bekräftigung hinzu. Propagiert würden die „Werte der neuen Ukraine“.

Medienexperten in Kiew zweifeln, dass der Idee Erfolg beschieden sein könnte. „Dieser Kanal wird viel Geld kosten und in den freien Weltraum senden. Das wird niemand sehen wollen“, meint beispielsweise der angesehene Journalist Sergej Leschtschenko. Denn auch hier sei die Ukraine einfach zu spät dran. Der Konkurrent Russia Today sendet bereits seit 2005. Er hat sich dank Professionalität und großem finanziellen Aufwand in Großbritannien und den USA bereits einigen Einfluss sichern können. 2013 stellte die russische Regierung mehr als 240 Millionen Euro für die Auslandspropaganda von Russia Today zur Verfügung.

Ausgewogene Berichterstattung ist erklärtermaßen nicht das Ziel des Moskauer Senders. Russia-Today-Chefin Margarita Simonjan will erkannt haben, dass das Publikum unparteiische Sender gar nicht wolle. Sie verwies unlängst auf die sinkenden Zuschauerzahlen von CNN und den wachsenden Einfluss des rechtskonservativen Senders Fox in den USA. Die Zuschauer wollen polemische Zuspitzung, so ihre Schlussfolgerung, nicht nur durch die Gäste, sondern auch durch die Moderatoren. So agierte Russia Today denn auch in der Ukraine-Krise: parteiisch, unfair, die Fakten zurechtbiegend.

Die Ukraine brauche tatsächlich einen TV-Sender, der ihre Stimme im Ausland sei, ist der Chefredakteur der Wirtschaftszeitung Kommersant, Juri Martschenko überzeugt. Er fürchtet jedoch, dass eine im Prinzip gute Idee unweigerlich an den derzeit chaotischen Zuständen im Lande scheitern müsse. Doch die Regierung ist unbeirrbar. Sie will den Propagandakrieg so einfach nicht verloren geben.