Vielleicht hat  die Regisseurin Ry Russo-Young  ja Camus gelesen. Der französische Schriftsteller hat sich mit dem Mythos des Sisyphos beschäftigt, dieser griechischen Sagenfigur, die dazu verdonnert ist,  ein und denselben  Felsbrocken wieder und wieder den Berg hinaufzurollen. Das Schicksal von Samantha (Zoey Deutsch), der Protagonistin ihres Films, ist durchaus vergleichbar.

Nachdem sie bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, muss sie den letzten Tag ihres Lebens immer wieder erleben. Sie wacht morgens auf  und im nächsten Moment erreicht sie eine Nachricht ihres Boyfriends auf dem Smartphone: Alles Gute zum Valentinstag! Samantha zerknüllt zum so und so vielsten Mal verzweifelt den Origami-Vogel, den ihr die kleine Schwester hingelegt hat und lässt sich zurück in die Kissen  fallen. Der Film beruht auf dem gleichnamigen Bestseller von Lauren Oliver.

Clique attraktiver Freundinnen

Sam, wie Samantha von ihren Freundinnen genannt wird, ist eines der beliebtesten Mädchen in der High School  der US-amerikanischen Kleinstadt, in der sie mit ihrer heilen Familie  in einem schönen  Haus lebt. Sie ist mit dem begehrtesten Jungen der ganzen Schule zusammen  und aufgehoben in einer Clique attraktiver Freundinnen, die angesichts ihrer genetischen Diversität aussehen als seien sie einer Benneton-Reklame entsprungen. Teenager werden diesen Film lieben.

Wer als älterer Kinogänger Gefallen daran finden will, muss sich zunächst  mit dem   Mädels-Slang,  dem Gekichere und den übertriebenen Augenaufschlägen abfinden, die auch in Deutschland zum Verhaltensrepertoire dieser Altersgruppe gehören.  Spannung und der kongeniale Soundtrack dieses vor allem nachts spielenden Films unterstützen einen dabei.

Wie Sisyphos bei Camus

Wie Sisyphos bei Camus versucht auch Samantha das Beste aus der Wiederholung zu machen. Und  sie hat tatsächlich die Möglichkeit, das Geschehen an diesem Tag, dem kein Morgen folgt,   zu variieren. Erst probiert sie es mit Aufsässigkeit, geht in aufreizender Kleidung zur Schule, knallt Zuhause mit den  Türen, provoziert den Klassenlehrer. Wie schön, dass das Drehbuch dieses Verhalten schnell als sinnlosen Irrweg zurückweist, wie man als Mutter pubertierender Töchter befriedigt feststellt. Eine Schwäche  ist allerdings, dass unklar bleibt, warum Sam mit niemandem darüber spricht, dass sie in diesem unerträglichen Loop festhängt.

Wie in der erfolgreichen Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ geht es auch um  Mobbing und Selbstmord, aber eher am Rande. Die große Frage, die über diesem Film steht, lautet: Wie soll man leben? Wie soll man sich im Leben verhalten, wie lebt man richtig? An irgendeinem ihrer Schleifentage schreit Sam ihre kleine Schwester nicht mehr an, als diese ihr die Handschuhe  hinterherträgt. „Wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollst meine Sachen nicht anfassen.“  Sie bedankt sich mit dem Satz: „Was würde ich ohne dich machen.“ Und die Welt wird zu einem besseren Ort.  Das ist vielleicht banal, aber  auch herzerwärmend und wahr.

Ein Weg aus der Wiederholung

Mit jedem Loop gewinnt Sam an Einsicht, und entfernt sich der Film mehr von der Highschool-Konfektionsware, die er am Anfang zu liefern schien. Sam bemerkt Details, hinterfragt ihr zum Teil hämisches Verhalten und das der Clique, gibt dem oberflächlichen Freund den Laufpass. Sie tut all dies, um einen Weg aus der Wiederholung zu finden, zu der sie verdammt ist. Aber in Wahrheit wird sie  dabei wohl einfach nur  erwachsen.