Ex-Manager Harry Jeske.
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Berlin„Wenn man grau wird, ist die Welt jünger schon als wir sind. Manchmal sitzt man schon zu Haus, weht ein Wind, leichter Wind“ – schon mit Mitte Dreißig sangen die Puhdys übers Alter. Die Melodie für das „Lied für Generationen“, mit dem markanten Akkordeon-Mittelstück, stammt von Harry Jeske. Der spielte bei den Puhdys zwar Bass, hatte in seiner Jugend aber Akkordeon und Saxofon gelernt. 1969 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Puhdys, der Name wurde aus den Vornamen gebastelt – das H stand für Harry.

Auf der Bühne stand der Lockenkopf am Bass weit hinten, agierte unauffällig. Kollegen spotteten, bei ihm würden die Saiten nicht reißen, sondern rosten. Als organisatorischer Leiter, heute würde man sagen Manager, spielte er aber eine wichtige Rolle bei der erfolgreichsten Band des Ostens: Ob Verträge, Fahrzeuge, Instrumente oder Westreisen – Jeske schaffte alles heran, kreierte Merchandising, als es diesen Begriff in der DDR noch gar nicht gab. Nebenbei blieb er kreativ für andere, komponierte und produzierte für Popsternchen.

Bei den Puhdys spielte er weiter Bass, bis er 1997 krankheitsbedingt aussteigen musste. Er hatte hinten immer zu nahe an den Boxentürmen gestanden, bekam Hör- und Gleichgewichtsprobleme. Auch danach war der umtriebige, kumpelhafte Harry Jeske immer wieder für eine Story gut: Er heiratete eine Filipina, lebte die Hälfte des Jahres auf den Philippinen, schrieb das Kindermusical „Haiko, der Haifisch“ und versuchte, Bambusmöbel von Fernost nach Deutschland zu bringen. Zur 50-Jahre-Feier der 2016 aufgelösten, inzwischen zerstrittenen Puhdys saß er Ende 2019 schon schwer krank und grau geworden im Rollstuhl. Am Donnerstag ist der älteste Puhdy im Alter von 82 Jahren in Wismar gestorben.