Gavin Webber und Grayson Millwood (v.l.) in „Collaborations“ bei den Tanzkomplizen
Foto: René Löffler

BerlinEigentlich ist diese Zeit der geschlossenen Spielstätten und der behelfsmäßigen Onlineangebote ja eine, in der man sich webmäßig mal umschauen könnte, was im eigenen Bereich alles passiert in der weiten Welt. Aber zumindest die Tanzkritikerin der Berliner Zeitung muss feststellen, dass bei ihr eher das Gegenteil der Fall ist. Die Sehnsucht geht stark ins Lokale. Was machen diejenigen, die man kennt und jetzt nicht sieht? Was macht Berlin?

Fest steht, für Kinder und Jugendliche lassen sich derzeit viele erstaunliche Entdeckungen machen. Zum Beispiel hat die kleine Jugendkunstschule in Friedrichshain/ Kreuzberg ein tolles Online-Angebot zum Basteln, Spielen und Forschen auf die Beine gestellt. Auch im zeitgenössischen Tanz hat der Kinder- und Jugendbereich einiges zu bieten. Die Tanzkomplizen stellen nach und nach ihre bisherigen Produktionen Online. Begleitet von Fragen und Aufgaben, mit denen die Kinder zu Hause selbst Themen aus dem Stück weiterspinnen können. Zum Beispiel Grayson Milwoods großartiges „Collaboration“, bei dem ein blutrünstiger Dinosaurier und ein mordlüsterner Bär mitspielen. Dass das Stück erst ab 13 Jahren sein soll, ist aber etwas übertrieben.

Die Aufzeichnungen waren eigentlich vor allem als Dokumentation gedacht. Sie anzuschauen, macht trotzdem Spaß. Auch, weil die Reaktionen des jungen Publikums zu hören sind, die staunend rufen, wenn etwas besonders Verrücktes oder Virtuoses geschieht. So fühlt man sich gar nicht so alleine, zuhause, vor dem Bildschirm.

Am Mittwoch war Welttanztag. Nicht gewusst? Kein Grund, das zu bedauern. Denn natürlich haben die geplanten Festivitäten nicht stattgefunden. Wobei, ganz ignoriert wird der Tanztag in Berlin nicht. Die TanzZeit etwa hat das Datum zum Anlass genommen, ihr überaus beliebtes Crossover-Tanz-Battle, den Club Oval, zum ersten Mal online stattfinden zu lassen.

Beim Club Oval treffen alle Tanzrichtungen aufeinander. Ob zeitgenössischer Tanz oder Ballett, HipHop oder Tango, Twerking oder Lindy Hop. Bei ihren bisherigen Club Ovals haben sich die Macherinnen viel einfallen lassen, etwa mit einem komplexen und überraschenden Bewertungssystem, bei dem auch das Publikum selbst in Bewegung gerät. Das dürfte sich über YouTube nur schwer realisieren lassen. Auch die Gruppen-Battles, bei denen nicht nur spontan entschieden wird, wer gegen wen antritt, sondern auch wer miteinander tanzt, dürften aus den bekannten Gründen entfallen. Aber getanzt wird! Im Live-Stream, im Internet und zwar gegeneinander. Am Ende soll es Gewinner geben.

Collaboration von Grayson Milwood: tanzkomplizen.de

Club Oval – Crossover Dance Battle, Do, 19 Uhr auf YouTube