Tahia Bhering: Motiv „lara’s mystery“, 2019, Acryl/Lw.     
Foto:  Galerie KungerKiez

BerlinNoch nie wurden die drei ausladenden Schaufenster der wegen der Corona-Situation seit Wochen geschlossenen Treptower Galerie KungerKiez zu einer derartigen Bühne. Zuschauerraum ist der Bürgersteig, derzeit für ein streng vereinzeltes Publikum, maximal zu zweit oder mit Kindern. Und gerade die Kleinen staunen nicht schlecht: Hinter den Scheiben wird, überaus anschaulich, Wasser zu Kunst – als Malerei, als Video, als Installation.

Drei Künstler, zwei Frauen und ein Mann, die eigentlich zu Ostern die Galerieräume mit ihren Arbeiten füllen und mit den Besuchern ins Gespräch kommen wollten, machen so aus der Kontaktsperren-Not eine Tugend. Peggy Sylopp, Tahia Bhering und Monika Wienbeck haben ein gemeinsames Thema: Wasser, das kostbare Element, der Urstoff, aus dem alles Leben kommt. Und ohne den kein Leben möglich wäre.

Der Garten als Lebensraum

Wienbeck malt Wasser als ungreifbares Element, bei Tag schillernd im Licht, bei Nacht schwarz und unendlich. Es ist den Bildern anzusehen, wie fasziniert deren Malerin von der ständigen Veränderung der Formen auf der Wasseroberfläche ist, die sie mit Acrylfarbe einzufangen sucht. Mit Geduld und Liebe. Und sie malt Bilder des Vergänglichen, Vanitas-Motive, wie schon Rembrandt und Zeitgenossen sie der unaufhaltbar fließenden Zeit entgegensetzten.

Alles, was Wienbeck ins Fenster hängte, entstand in der Erinnerung an ihren eigenen Garten und in der Nachbarschaft: Bäume, Büsche, Pflanzen, Blüten, Lebewesen der Flora, die ohne Wasser nicht sein könnten.

Sylopps Bilder, in denen sich Digitales und Analoges, Malerei, Fotografie und Performance mischen, lassen an dynamische Tänze auf einer Wasseroberfläche denken, an sich spiegelnde abstrakte Körper, an aus Wellen enstehende minimalistische Formen. Ein anmutiger Frühlingsreigen inmitten des wie erstarrten Alltagsgetriebes der Großstadt.

Zeugnisse der Anwesenheit des Menschen 

Und Bhering, Künstler mit brasilianischen Wurzeln, schlägt malend eine Brücke zwischen Rio de Janeiro und Berlin, vom sonnenüberhitzten und bisweilen sturmgepeitschten Meerwasser des Südatlantik an die gemächlich fließende, oft von einem silbergrauen Himmel überdeckte Spree. Er lässt die Schönheit von gebrochenen Bildern und fragmentierten Zeichen sprechen, verweist so auf die menschliche Konstruktion von Landschaft. Seine Landschaften sind imaginär, bergen nur Erinnerungsfetzen. Sichtbar sind poetische Zeugnisse menschlicher Anwesenheit, Dinge, die aus irgendeinem Grund zurückgelassen wurden – ein Ball, ein Schuh, ein Tuch, ein Buch.

In seinen Kompositionen verbindet er die Idee der idealen Landschaften, fast im Sinne der Romantik, mit einem abstrakt-expressiven Ansatz. Und wir Betrachter vorm Galerie-Schaufenster können darin herumreisen.

Galerie KungerKiez Karl-Kunger-Str. 15, www.kungerkiez.de