Sebastian Pufpaff soll mit „Noch nicht Schicht“ wieder weichen. 
Foto: ZDF

BerlinDas ist leider wirklich lachhaft! Das ZDF beendete letzte Woche Sebastian Pufpaffs „Noch nicht Schicht“ – die einzige wirklich originelle Corona-Sondersendung des deutschen Fernsehens. Begründung: Ins Programm solle wieder mehr „Normalität“ einziehen.

Für Kabarettisten und Komiker aber herrscht weiterhin auf lange Sicht Schicht im Schacht. Der WDR hat das verstanden und im Netz die Plattform „Weiterlachen“ eingerichtet, um den verbannten Künstlern ein paar Honorare zu bescheren.

Unter den gut 70 Künstlern sind auch Größen aus Berlin, etwa Gayle Tufts und Sarah Bosetti, Eckart von Hirschhausen, Bodo Wartke und Florian Schroeder. „Weiterlachen“ bietet eine Art Chronik der letzten Wochen, in der sich jeder wieder erkennen kann. So spielten die ersten Videos noch mit Hamsterkäufen, dann kamen Phänomene wie das Entrümpeln der Wohnung oder die Auswirkungen des Stubenarrestes für Gewicht und Behaarung dazu.

Uta Köbernick bringt das Gebot der sozialen Distanzierung dazu, einem langjährigen Freund das „Sie“ anzubieten, Anne Folger spielt virtuos am Klavier die Risiken des Speed-Datings mit Mundschutz durch und Daphne de Luxe erinnert daran, dass im alten Rom die Kunst noch systemrelevant war, Stichwort: Brot und Spiele.

René Steinberg hat als Quarantäne-Tipp ein extremes Mindblowing parat – das Lesen! Er würde gern die Filialen von „Starbucks“ in „Starbooks“ umwandeln, und stellt sich vor, wie man dort ein Book to Go bestellt: American Novel, historisch mit Doubleshot Fantasy.

Ein aktuelles Buch, das beim Weiterlachen hilft, ist Woody Allens Autobiografie „Ganz nebenbei“, die einen komischen Einblick in seine Entwicklung zum Komiker bietet. So wundert sich der Mann mit der Hornbrille darüber, warum er für einen Intellektuellen gehalten wird – er hatte mit dem Lesen doch nur angefangen, um den schlauen Mädchen zu gefallen. „Ganz nebenbei“ erzählt er, wie er sein Talent ausbauen konnte, Komik zu erzeugen und gleichzeitig einen schlauen Eindruck zu hinterlassen.

So unterhielt der TV-Sender NBC in den 50ern ein Förderprogramm, das Allen mit Leuten zusammenbrachte, die den Gagschreiber auf die Bühne schoben. Selbst Woody Allen hat jahrelang in kleinen Clubs trainiert: „Am zweiten Tag rückten sie die Topfpflanzen nach vorn, damit der Saal nicht so leer aussah. In der zweiten Woche spielte ich nur noch vor Palmwedeln.“ Gefährdet scheint der 84-Jährige nicht. Vor Ansteckung schützt ihn seine „Eintrittsphobie“: Er meidet Menschenansammlungen.

Sebastian Pufpaff: Noch nicht Schicht: In den Mediatheken von ZDF und 3SAT

Weiterlachen im WDR: wdr.de

Woody Allen: „Ganz nebenbei“, Rowohlt Verlag