Als 1885 „Monsieur Venus“ erscheint, verursacht der Roman einer Frau von vierundzwanzig Jahren mit dem männlichen Pseudonym Rachilde ob der freizügigen Erotik einen Skandal. Heute jedoch, in der allgemeinen Genderverwirrung, ist die Geschichte um einen Geschlechtertausch zwar vergnüglich zu lesen, lässt aber wohl niemanden erröten. Rachilde stellt dem Roman statt eines Mottos eine Warnung voran: „Während Sie dieses Buch lesen, geht die Heldin unserer Geschichte vielleicht gerade an Ihrer Tür vorüber.“

Und prompt erzählt der erste Satz von dieser Heldin so: „Mademoiselle de Venerande tastete im dem schmalen Flur nach einer Tür.“ Sie öffnet diese, und das Schicksal wird bald kein Erbarmen mit ihr kennen. Sie betritt eine Künstler-Dachbude, erblickt einen umwerfend schönen, halb nackten, femininen jungen Mann mit dem „Blick eines geprügelten Hunds“. Es schwindelt sie vor der augenblicklichen Lust, ihn zu besitzen. Die reiche, adlige Demoiselle Raoule erteilt Jaques einen Auftrag für ein Ballkostüm. Seine Schwester, die ihn rigoros durchs Leben führt, ahnt, dass bei der Dame was zu holen ist, das sie beide reich machen könnte.

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