Wie verlief Ihre erste Begegnung?

Azone: Ich stand am Fax, Stefan kam, zog mein Blatt aus dem Gerät und steckte seines rein. Damit ist er bei mir an den Richtigen geraten. Den hab ich rund gemacht.

Rupp: Hey, ich war sein Chef. Ich war kurz davor, ihn rauszuschmeißen. Dass ich es nicht gemacht habe, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Wann haben Sie, Herr Azone, das erste Mal moderiert?

Rupp: Er war sonnabends bei mir frühmorgens im Sender, um die Technik zu üben. Als um 10 Uhr Steven Garrett, der Moderator der nachfolgenden Gospel-Show, immer noch nicht da war, fragte ich Christoph, ob er sich zutrauen würde, einfach nur Musik zu fahren. Klar, tat er das. Plötzlich, als ich draußen am Schreibtisch Verwaltungskram machte, hörte ich, wie Willy Brandt spricht.

Azone: Den konnte ich gut imitieren. Franz Josef Strauß auch.

Rupp: Ich merkte, wie lustig Christoph ist. Und weil er sich auch sonst viel einbrachte und das Handwerk schnell drauf hatte, beschlossen wir, gemeinsam die Morningshow zu moderieren.

Das ist jetzt 20 Jahre her. Kaum eine Ehe hält so lange. Wie halten sie es miteinander aus?

Azone: Wir haben getrennte Wohnungen und keinen Anspruch auf Sex miteinander.

"Das ist wie bei zwei Jungs im Sandkasten"

Wenn es doch Reibereien gibt …

Rupp: … ist das wie bei zwei Jungs im Sandkasten, die sich mit der Schippe auf den Kopf hauen. Es fließen Tränen, und nach 15 Minuten ist alles wieder gut.

Azone: Wir müssen nicht alles ausdiskutieren. Wenn dasselbe Problem wieder auftaucht, gibt es halt wieder Krach. Stefan regt sich oft auf, weil ich so schnell erregbar bin. Und ich rege mich über seine Lätschigkeit auf.

Rupp: Im Zweifel kann sich so eine Wut im Bauch bei ihm über eine ganze Sendung hinziehen.

Azone: Wobei ich den Ärger ins Studio reintrage, niemals in die Sendung.

Rupp: Wir haben uns schon angeschrien, und vier Sekunden vor dem Ende der Musik sagt dann einer von uns, in völlig ruhigem Ton: Okay, wir müssen jetzt drauf. Und kaum beginnt die nächste Musik, schreien wir weiter.

Azone: On air zu sein ist einfach das Allergrößte. Da vergess ich alles.

Warum ist das das Größte?

Azone: Als meine Ehe in die Brüche ging, hatte ich zwei Jahre schrecklichsten Liebeskummer. Aber sobald ich auf Sendung war, hatte ich den ganzen Scheiß vergessen, war wie befreit.

Rupp: Dafür hab ich ihn echt bewundert.

Azone: Agieren, reagieren, interagieren, spontan sein, darum geht es beim Radio. Gib mir ein Problem, und in einer Minute habe ich die Lösung. Das ist genau das, was zu mir und meinem Denken passt.

Sie ticken da anders?

Rupp: Ich bin schon gern on air. Ich verstehe auch, was Christoph meint. Aber on air zu sein ist für mich nicht das Allergrößte.

Azone: Okay, Fußball ist größer.

Rupp: Christoph nimmt sich Sachen viel mehr zu Herzen als ich. Im Radio wie im Privatleben.

Kürzlich gab es eine Party mit allen ehemaligen und aktuellen Kiss-Mitarbeitern. Wie war die Zeitreise?

Azone: Ich fand es sehr schön, aber ich bin bei so etwas lieber Beobachter. Ich mag Small Talk, aber nur, wenn die Leute wieder verschwinden. Im Taxi zum Beispiel. Stefan ist in so etwas besser.

Rupp: Ich fand schön zu spüren, dass der Spirit dieses Senders überlebt hat: Dieses Spektrum an unterschiedlichen Menschen mit so vielen unterschiedlichen Nationalitäten und Charakteren, und alle hatten nur dieses eine Ziel: diesen Sender on air zu bringen. Ich höre immer noch gerne Kiss. Allein schon, weil ich am Autoradio den Schriftzug so gern sehe. Da wird mir immer bewusst, was wir damals erreicht haben.

Azone: Unsere Idee war: Wir machen gemeinsam Radio, und zwar nicht nur wir im Sender, sondern die Hörer machen genauso mit.

Trotzdem haben Sie, kurz hintereinander, Kiss FM verlassen.

Azone: Investoren haben damals Kiss übernommen, denen ging es weniger um Idealismus als ums Investieren. Unsere Arbeit wurde fremdbestimmter.

Sie waren „Mallorca-Joe“ und gingen zu RTL, wo Sie in den Disziplinen Bellen, Rechnen, Zeitung holen gegen Hunde antraten.

Azone: Ich hatte Spaß.

"Man fand das damals nicht peinlich"

Stefan Rupp ging als „Funkmasta Confetti“ zu Energy. Im Morgenmantel mit Duschhaube auf dem Kopf klingelten Sie sich durch Berliner Wohnungen. Wer Sie duschen ließ, erhielt einen Preis. Wie peinlich war das denn?

Rupp: Hey, ich war der Energy-Duschmann! Die Idee war von mir!

Azone: Man empfand das damals nicht als peinlich. Privatradio war jung, das war ja auch die Zeit von Hugo Egon Balder mit „Alles nichts oder“.

Bald darauf folgten Sie Rupp zu Energy.

Rupp: Ich habe schnell gemerkt, dass ich ihn vermisse.

Azone: Ich hatte bei RTL die Schnauze voll, zumindest in jener Zeit auch von Arno Müller. Ich musste den ganzen Tag für andere schreiben, hatte kein Tageslicht in diesem Bunker am Kudamm und war abends fix und fertig.

Dann kam Radio Eins.

Rupp: Ich wurde damals Vater und habe gemerkt: Bei einem Sender für 14- bis 29-Jährige wird für mich die Luft dünn. Als ich hörte, dass Volker Wieprecht und Robert Skuppin ihre Morgensendung abgeben wollen, habe ich mit Helmut Lehnert gesprochen. Er hatte Interesse, an uns beiden.

Lehnert, der Gründer von Radio Eins sagt, „das Anarchopärchen“ sei ihm schon bei Kiss aufgefallen, und er hatte das Gefühl, Sie könnten auch öffentlich-rechtlich. Die Kollegen dort sahen das nicht so.

Azone: Der Schrei, „Oje, privat“, war so laut, dass ich heute noch den Widerhall höre.

Rupp: Uns wurde echt nicht viel zugetraut.

Spielte Neid mit?

Azone: Vielleicht hatten sich intern einige auf unseren Job Hoffnungen gemacht. Wir wollten einfach nur wieder zusammen arbeiten, wie früher. Also trugen wir einiges von der alten Kiss-Anarchie mit zu Radio Eins. Obwohl Wieprecht und Skuppin auf ihre Art nicht weniger anarchisch waren, hieß es dann, die beiden hätten eben ein anderes intellektuelles Niveau als wir. Die waren eine Klasse für sich. Für uns war diese Zeit ganz schön frustrierend. Zumal Ansprüche an uns gestellt wurden, denen wir anfangs echt nicht gerecht werden konnten. Wir hatten nun einmal nie zuvor Politiker-Interviews geführt und keinen Schimmer, wie das geht.

"Dass wir Ahnung hatten, hat einige überrascht"

Gab es anschließend Häme von den Kollegen?

Rupp: Wer eine Vorliebe für Nonsens hatte, war abgestempelt als jemand, der keine Allgemeinbildung hat. Dass wir durchaus Ahnung haben, hat einige immer wieder überrascht. Es gab dann diese Sendung, 2003, als der Irak-Krieg ausbrach. Wir haben da aus dem Stegreif moderiert, mit Korrespondentenschalten, spontanen Anmoderationen, guten Interviews. Da hat Christoph nach der Sendung gesagt: So, jetzt sind wir angekommen. Wir hatten bewiesen, dass wir schnell und aktuell eine journalistisch geprägte Sendung zu moderieren imstande sind.

2010 haben Sie mit dem „Schönen Morgen“ den Deutschen Radiopreis gewonnen. War dies das Highlight Ihrer Karriere?

Rupp: Ganz ehrlich? Meines war ein Interview mit Paul Breitner, der schon als Poster in meinem Kinderzimmer hing.

Azone: Und meines das Gespräch mit Robert Gernhardt. Mein Held.

Sie, Herr Azone, sagten einmal, Sie könnten sich vorstellen, mit Stefan Rupp ewig so weiterzumachen. „Ich glaube aber, Stefan will nicht immer Radiomoderator sein.“

Rupp: Ich habe auch mal gesagt, mit 40 werde ich keine Schlager mehr auflegen. Jetzt bin ich 44 und mache das immer noch einmal im Monat.

In der Hafenbar, unter dem Motto „Stimmen in Aspik“. Haben Sie das Gefühl, mit dem, was Sie jetzt tun, angekommen zu sein?

Rupp: Was wir machen, hat Anspruch, es gibt Raum für Albernheiten, es ist bunt, und wir sprechen über ganz viele Dinge, über die wir uns auch so unterhalten. Ja, es passt.

Das Interview führte Ulrike Simon.