Hier ist das F noch umgedreht.
Foto:  imago images/Martin Müller

BerlinIrgendwie muss sich ein trendbewusstes Jugendradio ja die alten Säcke fernhalten: Typen, die noch mit uralten Smartphones unterwegs sind. Solche wie mich.

Früher, ja früher, da hatte jeder denselben Zugang zum Radio. Der Hörer musste nur die UKW-Frequenz einstellen. Deshalb schrien die Sender diese Zahl alle paar Minuten so laut über den Äther, dass sie selbst von Schwerhörigen verstanden wurde. Fritz wird bis heute in Berlin auf 102,6 ausgestrahlt.

Doch heute läuft cooles Radio natürlich über das Netz – und das RBB-Jugendradio hat die Einrichtung einer App gerade als „Neustart“ seines Programms angepriesen. Doch mein Smartphone findet unter dem Suchnamen Fritz nur einen Hersteller von Fritzboxen und ein Schachprogramm. Meine Android-Version ist zu alt – deshalb bin ich auch beim virtuellen Corona-Bekämpfen ausgeschlossen.

Im Radio läuft immer noch ein Jugendfunk mit Musik, die Werbung im Programm betrifft seltsamerweise Küchenstudios und Autos, als ob dies 14- bis 29-Jährige tangieren würde. Die Wellenchefin Karen Schmied berichtet bei der Video-Pressekonferenz stolz davon, dass die Fritzen sich „aufgeschlaut“ und „upgedatet“ hätten: „Wir haben viel über die Geheimnisse der Algorithmen gelernt!“ Auch bei Spotify werde der Sender gut abgerufen. Dabei schalten viele, die Spotify für sich entdeckt haben, kein Radio mehr ein.

Nicht mehr ins Neuland passte das traditionelle Fritz-Logo mit dem umgedrehten „F“, das anfangs noch mit Pferdezähnen zu wiehern schien. Falsche Buchstaben irritieren im Digitalen. Ohnehin ist diese an Graffiti erinnernde Schrift für den Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus nicht mehr zeitgemäß. Für einiges Geld hat deshalb eine Agentur das Logo neu entworfen. Es sieht jetzt so nüchtern-sachlich aus, als wäre Fritz ein Bürokomplex. Oder ein Schachprogramm. Hieß der alte Slogan noch „Und das hört man“, so heißt es heute „It’s Fritz“. Nix für mich.