Stiller Weltstar: der Schauspieler Rainer Bock. 
Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

BerlinEs ist sicher nicht übertrieben, beim beruflichen Werdegang von Rainer Bock von einer Ausnahmekarriere zu sprechen. Nach vielen Jahren als Theaterschauspieler kam er erst mit knapp fünfzig zum Film, hat sich durch sein präzises Spiel in Filmen von Michael Haneke, Quentin Tarantino, Christian Petzold und Steven Spielberg aber schnell einen hervorragenden Ruf erarbeitet – und veredelt nun seit Jahren deutsche Kinofeinkost wie Hollywood-Großproduktionen gleichermaßen. Kein Wunder, dass er einem sofort vertraut vorkommt, wenn man ihn dann leibhaftig vor sich sieht. Obwohl das bei weitem nicht nur daran liegt, dass man ihn schon so häufig im TV oder auf der Kinoleinwand gesehen hat, sondern in erster Linie an seiner angenehm unaufgesetzten Art. Denn trotz seines beruflichen Erfolges bildet er sich nichts darauf ein, einer der gefragtesten Schauspieler Deutschlands zu sein. Warum auch?

Herr Bock, wie verleben Sie Ihre Tage gerade? Arbeiten Sie in irgendeiner Form?

Nein, gar nicht. Ich bin seit Freitag, dem 13. März, zu Hause. Davor habe ich am Deutschen Theater in Berlin Proben gehabt für „Die Katze auf dem heißen Blechdach“. Am 27. März hätte Premiere sein sollen.

Gehen Sie denn raus?

Nur zum Einkaufen, Spazierengehen und Joggen. Und obwohl ich kaum das Haus verlasse, habe ich drei Wochen nach Beginn des Lockdowns Husten und Beklemmung auf den Bronchien bekommen. Da standen mir natürlich sämtliche Haare zu Berge.

Au weia. Haben Sie sich auf das Virus testen lassen?

Ja, und das Ergebnis war zum Glück negativ. Ich hatte stattdessen eine Pollenallergie – zum ersten Mal in meinem Leben, und zwar mit vergleichsweise heftigen Symptomen. In der jetzigen Situation doppelt unangenehm.

Hatten Sie Angst?

Natürlich. Ich gehöre altersbedingt mittlerweile zur Risikogruppe – auch wenn ich mich nicht so fühle. Ich rauche und trinke zwar nicht und ernähre mich überwiegend gesund, aber unverwundbar macht einen das nicht.

Sie leben in München. Wenn Sie rausgehen, wie nehmen Sie die Stimmung dort wahr?

Sehr unterschiedlich. Ich gehe zwei- bis viermal die Woche joggen auf der südlichen und nördlichen Auffahrtsallee, die Richtung Nymphenburger Schloss führt. Der Spazierweg ist nicht sonderlich breit, jeder sollte daher möglichst weit rechts gehen. Aber viele Menschen halten den Sicherheitsabstand nicht ein. Ich bin sogar schon angerempelt worden. Da muss ich sehr aufpassen, dass ich nicht aus der Haut fahre.

Tatsächlich? So würde man Sie gar nicht einschätzen.

Doch, bei so etwas spüre ich eine sehr große Diskussionsbereitschaft – um es mal vorsichtig zu formulieren.

Klingt, als seien Sie auch ein wenig angespannt.

Ach, es geht. Die ersten zwei, drei Wochen fand ich am verstörendsten, weil man sich erst einmal auf diese neue, vollkommen unklare Situation einstellen musste. Es wusste ja niemand, was genau los ist. Teilweise widersprachen sich die Informationen auch, dennoch wurde mit apokalyptischen Szenarien gedroht. Da war schon sehr verunsichernd und erschütternd.

Halten Sie sich stets auf dem neuesten Stand?

Anfangs schon. Aber wenn ich nun ins Wohnzimmer komme und meine Frau zufällig „Anne Will“ oder eine andere Talkshow guckt, drehe ich auf der Haxe schon wieder um. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich lese jeden Tag Zeitung, aber ich kann das alles nicht mehr sehen. Gegipfelt ist das in der Äußerung des Tübinger Oberbürgermeisters Palmer von den Grünen, der sagte, wir würden durch die Schutzmaßnahmen möglicherweise Menschen retten, die in einem halben Jahr sowieso tot wären. Diese Äußerung hat mir schwer zu denken gegeben, und die lässt sich auch nicht relativieren. Da habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, bei den Grünen wieder auszutreten. Wobei die Grünen ja gerade selbst darüber nachdenken, sich von Palmer zu trennen.

Wie halten Sie es privat: Treffen Sie sich mit Leuten?

Einmal hatten wir Besuch: Meine Frau und ich standen im Garten und haben uns mit unseren Freunden auf dem Gehsteig über den Gartenzaun hinweg unterhalten. Mit einem Freund habe ich auch mal eine Fahrradtour gemacht, dort, wo man den Abstand gut einhalten kann. Ansonsten sind es nur meine Frau und ich. Besonders leiden wir beide darunter, dass wir unseren Sohn nicht sehen, der in Berlin lebt.

Was machen Sie den lieben langen Tag? Wird Ihnen schon langweilig?

Ja, Gott sei Dank! Ich empfinde das als großes Privileg, mal wieder zur Ruhe kommen zu können. Dann spielen meine Frau und ich gerne Rommé oder würfeln. Ich muss auch sagen: Durch die zurückgewonnene Zeit ist der Austausch mit Freunden über Telefon und Mail wieder intensiver geworden. Ich bekomme aber durchaus auch noch Drehbücher zugetragen für Projekte, von denen man derzeit nicht weiß, ob sie überhaupt jemals realisiert werden.

Der Kulturbetrieb hat unter der derzeitigen Situation besonders zu leiden. Wie nehmen Sie das wahr?

Es ist einfach wahnsinnig traurig. Theater, Opernhäuser und Konzertsäle sind die letzten Bereiche auf der Prioritätenliste. Hinzu kommt: Ein Großteil des Publikums ist über 65. Selbst wenn Aufführungen irgendwann wieder gestattet sind, bleibt fraglich, ob die Angst vor Ansteckung die Leute nicht weiterhin fernhält. Das ist beunruhigend. Sicherlich haben die staatlich subventionierten Häuser eine größere Überlebenschance als die vielen kleinen, privat finanzierten. Letztere müssen nahezu alle um ihre Existenz kämpfen, und nicht alle werden es schaffen. Auch kleinere Filmproduktionen wird es treffen. In diesem Bereich fürchte ich einen großen Aderlass.

Wie ist die Stimmung unter Ihren Kollegen?

Viele haben Existenzängste. Wir Schauspieler fallen aus dem Soforthilfeprogramm ja in der Regel heraus, weil wir als frei arbeitende Schauspieler für die einzelnen Projekte stets angestellt werden und also nicht durchgehend selbstständig tätig sind. Das wurde auch schon heftig bemängelt. Ich habe Herrn Söder dazu sogar selbst zwei E-Mails geschrieben – auch wenn die sicher nicht direkt bei ihm gelandet sind.

Markus Söder hat aber doch angekündigt, die bayerischen Künstler für drei Monate mit jeweils 1000 Euro monatlich zu unterstützen.

Ja, aber nur diejenigen, die in der Künstlersozialkasse organisiert sind. Ich zum Beispiel war aber fast dreißig Jahre lang am Theater engagiert und hatte deshalb niemals Zutritt zur Künstlersozialkasse. Das trifft nach wie vor auch auf viele meiner Kollegen zu, die dadurch durchs Raster fallen.

Darf ich fragen, wie es bei Ihnen um die Existenzangst bestellt ist?

Ich hatte das Glück, in den letzten Jahren gut beschäftigt gewesen zu sein, sodass ich eine gewisse Zeit durch Rücklagen überbrücken kann. Ich würde aber gerne vermeiden, die eh nicht allzu üppige Altersvorsorge anzukratzen. Wenn es aber so weitergehen sollte, läuft es irgendwann darauf hinaus.

Bewerten Sie den Umgang der Politiker mit der derzeitigen Situation demnach eher kritisch?

Die Situation ist für alle schwierig, und ich möchte momentan nicht in der Haut der zuständigen Politiker stecken. Ich habe den allergrößten Respekt vor der logistischen, gedanklichen und innerlich moralischen Leistung, die der überwiegende Teil der Politiker gerade an den Tag legt.

Herrn Söder eingeschlossen?

Ich war weiß Gott nie ein großer Freund von ihm, das war seinem Verhalten in der Flüchtlingskrise geschuldet. Aber sowohl in der Außendarstellung wie auch in der innerlichen Umsetzung finde ich ihn im Moment bemerkenswert. In den Pressekonferenzen, die ich von ihm verfolgt habe, stelle ich jedenfalls eine große moralische, ethische und menschliche Integrität fest. In den irren Chor der Verschwörungstheoretiker, der gerade unsere Freiheit und Grundrechte in Gefahr sieht, kann und will ich daher nicht einstimmen – obwohl ich eher linksliberal erzogen worden bin.

Eigentlich hätte gerade Ihr Film „Exil“ im Kino laufen sollen. Der Starttermin ist erst auf Juni, nun auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Macht Sie das traurig?

Klar, aber mir tut es vor allem für Mišel Maticevic leid, der die Hauptrolle spielt – zumal das eine sehr anstrengende, anspruchsvolle und sehr gewagte Produktion war, mit einer sehr wichtigen Thematik. Es geht um versteckten Alltagsrassismus, der ja für die Beteiligten teilweise viel demütigender und anstrengender auszuhalten ist als eine offene Pegida-Demonstration.

Sie selbst spielen in dem Film einen sehr undurchsichtigen Kollegen von Mišel Maticevics Figur. Häufig werden Sie ja als böser, kalter, intellektueller Machtmensch besetzt. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Es ist doch so: Im staatlich subventionierten Theater musst du alles spielen können, und das habe ich in meinen dreißig Jahren dort getan. Aber als ich dann sehr spät in meiner Karriere zum Film und vor allem durch „Das weiße Band“ von Michael Haneke bei vielen erst auf den Schirm gekommen bin, wurde ich oft diesem Rollentypus entsprechend besetzt: kalt und böse. Ich sag es mal so: Der Einfallsreichtum deutscher Redakteursstuben ist ein unermesslich (macht eine bedeutungsschwere Pause und fügt leise an) kleiner. Ich möchte aber hinzufügen, dass ich in den letzten Jahren auch viele andere Figurentypen gespielt habe.

Ich bin nicht schwul, aber ich habe mich unter schwulen Männern immer sehr wohlgefühlt.

Rainer Bock, unser Mann auf Netflix

Bevor Sie Schauspieler wurden, haben Sie auch ein paar Jobs gehabt. In jungen Jahren haben Sie zum Beispiel mal ein Café besessen.

Ja, das Café Lucy in Kiel. Ein schwules Café mit Kuchentresen, Frühstück, weißen Wänden. Wir haben uns damals am Berliner Café Lila in der Kreuzbergstraße orientiert.

Sie stammen aus Kiel. Woher kannten Sie das Café Lila?

Ich bin als junger Mensch häufig übers Wochenende mit einem VW-Bus über die alte B5 nach Berlin gefahren, weil dort das Leben tobte. Da waren wir sehr häufig in diesen Schwulencafés wie dem Café Lila oder dem Anderen Ufer in Schöneberg. Ich bin nicht schwul, aber ich habe mich unter schwulen Männern immer sehr wohlgefühlt, weil die eine Ästhetik und einen so besonderen Zugriff auf das Leben hatten, was mir beides sehr gefallen hat – auch im gastronomischen Bereich.

Das war die Zeit, in der Sie sich auch stark in der Anti-Atomkraft-Bewegung engagiert haben.

Ja, aber das Engagement musste ich irgendwann abbrechen, weil es sonst gefährlich geworden wäre. Also stand ich vor der Frage: Was mache ich jetzt? Studieren wollte ich unter gar keinen Umständen. Ich bin zwar mal hin und habe mich immatrikuliert, aber es war mir ein Gräuel. Das war ja die Fortsetzung der Schule mit noch schlimmeren Mitteln.

Welcher Studiengang war das denn?

Ach, völlig unwichtig: Kunstgeschichte. Aber was anderes ging nicht, weil mein Notendurchschnitt so scheiße war.

Haben Sie in der Schule nicht viel gelernt?

Nein. Aber dafür kann ich ziemlich gut und bis zur Perfektion Skat, Poker, Billard, Tischtennis und Backgammon. Ich will damit sagen: Das habe ich während meiner Schulzeit hauptsächlich betrieben.

Abitur?

Habe ich mit 190 Fehlstunden beendet. Das ging damals noch.

Und das Café?

… ach ja! Das Berliner Café Lila fand ich großartig, also wollte ich etwas Ähnliches in Kiel eröffnen. Mein schwuler Freund Effie hat sich dann mit eingeklinkt, mit dem habe ich von 1979 bis 1981 zusammen das Café Lucy betrieben. Er hat sich dabei vorwiegend um die kreative Seite gekümmert, ich mich um die wirtschaftliche Seite.

Und war es eine gute Idee?

Ich sag mal so: Wir konnten alle knapp davon leben. Aber wir hatten wahnsinnig viel Spaß. Das Café Lucy war tatsächlich auch der Szenetreffpunkt in Kiel. Und wir haben Kleinkunstabende veranstaltet.

War diese Kleinkunst auch Ihr erster Schritt Richtung Schauspielerei?

Nein, die Kleinkunst haben wir nicht selbst gemacht, sondern machen lassen. Mich hat aber fasziniert, was in diesem Dunstkreis so passiert ist. Die Leute vom Theater in Kiel waren Stammgäste bei uns, und weil Effie und ich immer viel Quatsch hinterm Tresen gemacht haben und wir scheinbar „etwas hatten“, wie man so schön sagt, haben die zu mir gesagt: „Willst du das nicht mal beruflich machen?“ Ich habe immer abgewunken, aber das hallte nach. Und als ich dann das Café verkauft habe, weil Effie wegging und ich das nicht alleine machen wollte, habe ich mich mal erkundigt, wie man denn eigentlich Schauspieler wird.

Wie haben Ihre Eltern damals auf Ihre Entscheidung reagiert, Schauspieler werden zu wollen?

Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich bei meinen Eltern im Wohnzimmer stand und ganz beiläufig erwähnte: „Ich habe mich jetzt übrigens an der Schauspielschule angemeldet.“ Dabei habe ich ihnen noch nicht mal in die Augen schauen können, sondern aus dem Fenster gesehen. Im Hintergrund hörte ich dann, wie meine Mutter nach dieser kleinen Blechschachtel fingerte, wo ihre Herztabletten drin sind. Und mein Vater sagte dann, nach einer elend langen Pause: „Wenn du das machst … gebe ich dir jeden Monat 400 Mark dazu.“

Ach, echt?

Ja! Das berührt mich bis heute sehr. Bis zu ihrem Tod haben beide wahnsinnig viel Anteil an meiner Karriere genommen, sind zu allen Premieren gekommen – zumindest zu denen im Norden. Heute wären sie sicherlich bombenstolz.

Umso mehr vermutlich, da Sie kein gutes Abitur hatten, sich politisch engagierten, bis es gefährlich wurde … haben sich Ihre Eltern Sorgen um Sie als Jugendlicher gemacht?

Absolut! Ich hatte keine schwere Kindheit, überhaupt nicht. Meine Mutter hat mich sehr emotional erzogen und mein Vater … eher praktisch. Es war schon hart, was die teilweise mit mir aushalten mussten. Meine Eltern waren auch keine Intellektuellen. Die Form der Auseinandersetzung von „Lass uns mal drüber reden“ hat bei uns nicht stattgefunden. Das war einfach eine andere Generation. Mit 15 Jahren hatte ich ja eine schulterlange Matte. Mein Vater hat sich zu Tode geschämt.

Gab es dann richtig Zoff zuhause?

Es gab Krach, ja – ruppig norddeutsch. Eine wirkliche Auseinandersetzung auf eine liebe, kluge Art hat nicht stattgefunden. Ich habe aber das Glück gehabt, durch das Gymnasium doch eine halbwegs humanistische Erziehung zu erfahren.

Aber durch seine Unterstützung im richtigen Moment hat Ihr Vater eine wichtige Weiche für Ihre berufliche Zukunft gestellt.

Absolut. Er hätte da durchaus auch anders reagieren können: „Um Gottes Willen! Jetzt auch das noch!“ Aber mein Vater, 1912 geboren, hat als junger Mensch mit 18 eine Ausbildung zum Buchhändler begonnen. Er war zwar kein Intellektueller, aber sehr belesen und diesen Dingen gegenüber sehr aufgeschlossen. Er konnte die Ausbildung aber nicht zu Ende machen, weil ihn sein Onkel aus Kiel anrief und meinte: „Du musst jetzt mal hochkommen und mir helfen!“ – damals war das so. Der Onkel hatte einen Sackgroßhandel, und irgendwann in den Siebzigerjahren hat mein Vater den sogar übernommen. Ich bin also mit Säcken großgeworden.

Wie traurig.

Ja, aber was will man machen. Dadurch hat er seine Buchhändlerausbildung nicht zu Ende machen können, und vielleicht hat da etwas in ihm Klingeling gemacht, und deshalb hat er mich da unterstützt.

Sie sind selbst Vater eines 22-jährigen Sohnes.

Ja, und der ist völlig aus der Art geschlagen, indem er ein beachtenswertes Abi absolviert hat – in Bayern wohlgemerkt! Also 0,8 in Bremen, Hamburg und Berlin, entschuldigen Sie bitte! Der hat uns in der Hinsicht nie Sorgen gemacht.

Ein Bekannter von mir hat Sie letztens mal „unseren Mann in Hollywood“ genannt. Finden Sie sich darin wieder?

Das klingt ja ganz schön, ist aber Quatsch. Das ist Christoph Waltz. Keine von meinen amerikanischen Serien, keiner meiner Filme wurde in Hollywood gedreht, im Gegenteil: Die meisten Amerikaner sind nach Europa gekommen, und da habe ich dann mitgespielt. Nur für „Better Call Saul“ bin ich in die Staaten, aber nicht nach Hollywood, sondern nach Albuquerque.

Ist es Ihnen wichtig, international zu arbeiten?

Das mag jetzt kokett wirken, aber darüber habe ich noch nie nachgedacht. Aber klar: Dadurch wird dein Arbeitsbereich erweitert, man sammelt neue Erfahrungen – und das ist spannend. Ob da aber nun Hollywood oder Singapur draufsteht, ist mir ehrlich gesagt wurscht.

Sie haben in sechs Episoden der Netflix-Serie „Better Call Saul“ mitgespielt. Wie war das?

Ganz fantastisch! Mit jemandem wie Jonathan Banks zu spielen, mit Regisseuren wie Vince Gilligan und Peter Gould zu arbeiten – das war toll! Die sind auch alle so angenehm bodenständig. Und wenn man denen gesagt hat, dass die in Deutschland Legenden sind, werden die rot. Dieser Dreh war ein Geschenk.

Zumal Sie das Privileg hatten, für die Drehzeit von drei Monaten Ihre ganze Familie mitzunehmen.

Ja, allerdings.

Stimmt es, dass Ihr Sohn währenddessen als Personal Assistant agiert hat?

Ja. Der hatte nämlich, in alter Bock’scher Tradition, gerade sein Studium abgebrochen. Da war ich ganz stolz auf ihn. Und dann habe ich gesagt: „Junge, das passt super! Ich habe ein Angebot in Amerika, willst du nicht als mein Personal Assistant mitkommen?“ Und da war er natürlich sofort dabei. Und meine Frau ist dann einfach als sie selbst mitgekommen.

Ein solcher Dreh im Ausland ist aufgrund der derzeitigen Situation erstmal nicht zu erwarten. Haben Sie trotz der ungewissen Situation irgendwelche Pläne für die nähere Zukunft?

Ja. Mit meinen Kollegen Fritz Karl und Francis Fulton-Smith werde ich zum Fliegenfischen gehen. Wir sind allesamt Mitglieder im Verein der Isarfischer, der nicht aus trophäengeilen Anglern besteht, sondern sich neben der Fischerei auch viel für den Naturschutz, für die Sauberkeit und den Besatz der Gewässer einsetzt. Wir haben uns locker für Mai verabredet, und beim Fliegenfischen ist das Distanzhalten ja problemlos möglich.

Was reizt Sie am Angeln?

Ich mache das seit meinem zehnten Lebensjahr. Es ist einfach toll, morgens um 5 Uhr auf einem See zu sitzen und mitzuerleben, wie die Natur aufwacht. Etwas Schöneres gibt es nicht.

Rainer Bock ...

  • ... wurde 1954 in Kiel geboren. Nach dem Abitur betrieb er ein Café, bis er sich Anfang der 80er-Jahre zu einem Schauspielstudium entschloss. Es folgten Theater-Engagements in Kiel, Heidelberg, Mannheim, Stuttgart und München.
  • ...  kam erst mit knapp 50 Jahren zum Film. International bekannt wurde er 2009 durch Michael Hanekes „Das weiße Band“. Auftritte in „Inglourious Basterds“ (2009), „War Horse“ (2011) und „A Most Wanted Man“ (2014) sowie in Serien wie „Homeland“ (2015) und „Better Call Saul“ (2018) festigten seinen Ruf als stiller deutscher Weltstar.
  • ... lebt mit seiner Frau, der Malerin und früheren Schauspielerin Christina Schwarz, in München-Nymphenburg. Er hat einen 22-jährigen Sohn, der in Berlin wohnt.
  • ... ist derzeit in der Serie „Freud“ auf Netflix zu sehen. Darin spielt er den Psychiater und Neuroanatom Theodor Meynert, unter dem Sigmund Freud an der Psychiatrischen Klinik in Wien arbeitete.