Lil Wayne, 38, bedient seit jeher das Klischee des Protz- und Gangsta-Rappers, jetzt wächst ihm das Ich-bin-ein-harter-Junge-Ding allerdings etwas über den Kopf und er muss zu riskanten Tricks greifen. Der Mann bekannte sich vor einem Bezirksgericht in Florida wegen des Besitzes einer Schusswaffe schuldig. Es blieb ihm auch nichts anderes übrig, die Beweise gegen ihn waren einfach erdrückend: Nach der Landung mit seinem Privatjet am 23. Dezember 2019 auf dem Miami-Opa Locka Executive Airport war er verhaftet worden, weil das FBI einen goldenen Revolver und sechs Runden Munition in seinem Gepäck gefunden hatte.

Dem Rapper drohen bis zu zehn Jahren Haft, weil er vor mehr als einem Jahrzehnt schon einmal wegen eines Waffenvergehens verurteilt worden war: 2007 hatte die Polizei bei einem Konzert in New York Marihuana, Ecstasy, Kokain und halbautomatische Schusswaffen in seinem Tourbus gefunden; Lil Wayne bekam daraufhin ein Jahr Gefängnis aufgebrummt – davon saß er immerhin neun Monate ab – und ist seitdem vorbestraft. Verurteilte Straftäter dürfen in den USA keine Waffe tragen. Damit liegt der Fall klar: Lil Wayne ist ein Wiederholungstäter. Keine strafmildernden Umstände also.

Das Bezirksgericht in Florida will sein Urteil gegen den fünffachen Grammy-Preisträger am 28. Januar sprechen. Lil Wayne scheint schon seit längerer Zeit ein hohes Strafmaß zu befürchten und womöglich deswegen auf eine Begnadigung durch den bis zum 20. Januar amtierenden US-Präsidenten Donald Trump zu hoffen. Zumindest fallen seine bizarren, auch seine Fans irritierenden Ergebenheitsadressen auf. So berichtete der noch wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl von einem „großartigen Treffen“ mit Trump, bei dem es um neue Arbeitsplätze für Afroamerikaner gegangen sei.

Das war Wahlkampfhilfe für Trump, per Twitter lobte der Rapper nicht nur die Jobinitiative, sondern auch Trumps Pläne, das besonders farbige Amerikaner benachteiligende Strafrecht zu reformieren sowie die Zugänge zu Bildung und Ausbildung für sie zu verbessern. „Trump hat zugehört, was wir heute zu sagen hatten.“ Und nach der deutlich ausgefallen Abwahl Trumps veröffentlichen Lil Wayne die Mixtapes „No Ceilings 3“ und darauf den Song „Life Is Good“ mit den folgenden Zeilen: „Meine Dämonen trainieren, das ist wunderschön … Ich habe meine Steuern nicht gemacht, fucking mit Donald Trump.“

Offenbar eine Anerkennung, eine Solidaritätserklärung für den bekanntlich in Steuerangelegenheiten auch nicht sehr auskunftsfreudigen Präsidenten. Dem Rapper-Kollegen 50 Cent wurden die Trump-Avancen schließlich zu viel, er lästerte gen Lil Wayne, ziemlich „sicher“ zu sein, dass er dafür bezahlt wurde, den Republikaner vor den US-Wahlen zu unterstützen; er selbst habe von dem Republikaner ebenfalls ein unsittliches Angebot von einer Millionen Dollar erhalten und abgelehnt. Eine Reihe weiterer Rapper hatten zuvor ebenfalls befremdet reagiert, etwa der Eminem-Homie Royce da 5′9″ oder Questlove von The Roots.

Lil Wayne ist in seiner Community zunehmend isoliert. Ein Preis, den er zu zahlen bereit ist – für die vage Hoffnung auf eine Begnadigung? Wo doch auf Trump bekanntlich kein Verlass ist.

Update, 20. Januar 2021: Donald Trump hat in den letzten Stunden seiner Amtszeit mehr als 70 Personen begnadigt. Das teilte das Weiße Haus in der Nacht zum Mittwoch mit. Unter den Begnadigten befinden sich neben politischen Schwergewichten wie Trumps ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon auch Lil Wayne.