Auch heute widmen wir uns wieder der Aufgabe, das Übel der Diskriminierung aus der Welt zu schaffen. Wie dringend sie ist, demonstrierte jüngst erst die komische ZDF-Sendung „Wetten, dass?“, bei der man in der so betitelten Saalwette die weißen Augsburger Bürger aufforderte, sich das Gesicht schwarz zu malen. Dass dieses Blackfacing eine rassistische Praxis ist, scheint man beim ZDF noch nicht mal zu ahnen. Wahrscheinlich glaubt man, das Schwarzmalen von Gesichtern sei wie das Verkleiden und Schminken beim Karneval.

Früher hieß es ja gern (und zurecht!), dieses Deutschland sei intellektuell verzwergt. So ist es noch immer. Was ja noch anginge, verbände sich dies nicht mit einem tiefsitzenden, geradezu strukturellen Rassismus. Nein, das rassistische Denken und Wahrnehmen ist nicht bei den Nazis geparkt, sondern mitten in der Gesellschaft.

Nun nach Berlin, der Hauptstadt. Kürzlich habe ich an dieser Stelle darüber berichtet, dass das von über 80 Nichtregierungsorganisationen unterstützte internationale Kampagnen-Bündnis „No Humboldt 21!“ und der Global Afrikan Congress fordern, die Mohrenstraße in Nelson-Mandela-Straße umzubenennen. Das scheint mir keine gute Idee, weil durch diese Umbenennung auf sehr ungute Weise die Hautfarbe Mandelas betont wird. Oder nicht?

Viele Leser haben diese Frage aufgegriffen. Herzlichen Dank für Ihre Zuschriften.

Der Leser Michael K. machte den Vorschlag, die Mohren- in Möhrenstraße umzubenennen. Lustig, aber lässt sich so Diskriminierung bekämpfen? Johannes M. schlägt dagegen den klassischen Weg des Anbringens von Info-Tafeln vor. Auch gut, aber wer liest solche Tafeln? Und sollten wir nicht endlich anfangen, uns grundlegend mit der kolonialen, rassistischen, eurozentrischen Geschichte Deutschlands und Preußens auseinanderzusetzen? Dies schrieben mehrere Leser, und ich schließe mich dieser Meinung an. Ich glaube, dass diese Geschichte nur bewusst wird, wenn man sie allgemein vernehmlich, deutlich, also schmerzlich ins Bewusstsein hebt. Deshalb schlage ich vor, die Friedrichstraße in Nelson-Mandela-Straße umzubenennen. Das schmerzte die Stadt, und nur so ließe sich ein Umdenken, ein Bewusstwerden anstoßen. Der Rassismus lässt sich nicht auf Nebenstraßen, nicht nebenher bekämpfen, sondern nur dort, wo er zu Hause ist: in der Mitte.

Wie immer offen für Ihre Meinung und gespannt auf Ihre Antworten: Ihre Berliner Zeitung.