Irvine Welsh im Hotel, New York, 1996
Quelle: Ashkan Sahihi

New York - Mitte der 90er-Jahre traf Ashkan Sahihi den Schriftsteller Irvine Welsh zu einem Drink in einer New Yorker Hotelbar. Tagsüber, versteht sich, „Schotte eben“, erinnert sich Sahihi. Welsh hatte gerade den Geschichtenband „The Acid House“ veröffentlicht. Auf dem Cover war ein Hund mit Halskrause zu sehen. „Ich dachte, wow, das ist es“, erzäht Sahihi mit leuchtenden Augen. „Also kam ich da mit so einer Halskrause an.“ Auf dem Weg zum Hotelzimmer wankte ihnen eine Frau entgegen. Welsh sagte: „Ich lasse mich nackt mit diesem Ding fotografieren.“ – „OK“, antwortete sie, „ich bin dann an der Bar.“ Es war Welshs Ehefrau. Das Ergebnis des Shoots ist ein herrlich-offenes Portrait, auf dem Welsh in Unterwäsche und lieblich dreinblickend auf dem Hotelbett kniet. Sein Kopf wirkt durch die Krause wie künstlich vom Körper abgetrennt, wie ein Intellektueller auf der Suche nach seinem animalischen Selbst.

Sahihis Bilder der New Yorker Kunst- und Kulturszene, „The New York Years“ – Bilder von Schrifstellern, Künstlern, Musikern und Filmemachern, von Louise Bourgeois, Woody Allen, Philip Glass und Cindy Sherman –, sind wie tragende Bogenelemente eines kreisförmigen Ganzen: des Mythos New York, wie er in zig Songs, Filmen, Büchern und Bildern bespiegelt wurde, als schillernder Inbegriff eines linksalternativen Kulturlebens. Ein Mythos, der die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts bis ins Mark prägt und dem noch heute jede Großstadt der Welt – inklusive New York selbst – hinterherjagt.

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