Charlie Parker (li.) und Miles Davis in den 40er-Jahren in den USA - zu der Zeit spielt Ray Celestins Krimi.
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Ray Celestin führt mit „Gangsterswing in New York“ in die 40er-Jahre, Sara Paretsky findet in den Gegenwart „Altlasten“.

Drogen und Schüsse im Rhythmus

Der Swing ist bereits ein Auslaufmodell, und die Macht in den New Yorker Jazzclubs übernehmen gerade die Bebop-Hipster um Charlie Parker und Miles Davis, als Gabriel Leveson, Betreiber eines großen Samba-Clubs, in Ray Celestins historischem Kriminalroman „Gangsterswing in New York“ seinen leisen Ausstieg aus der Mafia plant. Dann jedoch bekommt er den Auftrag, ein paar Millionen zurückzuholen, die einer der Bosse unterschlagen hat, und die große Jagd durch New York beginnt. „Gangsterswing“ ist der dritte Band einer Reihe mit rasanten Krimis, die jeweils einer Musik-Epoche zugeordnet sind, und Celestin schafft es mühelos und mit der nötigen Detailbesessenheit, historische Entwicklungen der jeweiligen Zeit – hier das Nachkriegsjahr 1947 – mit einem Kriminalfall zu verknüpfen. Korruption bei der Polizei und die Drogengeschäfte der italienischen Mafia gehen kurz nach dem Krieg Hand in Hand, während drüben an der Westküste ein Ableger das Film- und Musikbusiness zu übernehmen versucht. Das FBI schaut weg, weil etwas anderes Priorität hat - die Kommunistenjagd. Leveson laviert sich durch, es fliegen die Fetzen, und der alternde Louis Armstrong sucht verzweifelt nach einem neuen Betätigungsfeld. Beste Unterhaltung, nicht nur für Jazzfans.

Ray Celestin: Gangsterswing in New York. Roman. Deutsch von Elvira Willems. Piper, München 2020. 640 S., 18 Euro

Liebenswerter Old School-Feminismus

Sara Paretskys Privatdetektivin V. I. Warshawski ist seit fast vierzig Jahren im Chicagoer Einsatz und hat seither zwanzig Roman-Fälle gelöst. Natürlich ist sie, wie alle großen Serien-Detektive, nahezu alterslos geblieben und beherrscht heute das Digitale so ausgefuchst wie früher die Recherche in muffigen Archiven. In „Altlasten“ erlaubt Paretsky ihr eine Erkundungstour in ihren eigenen Heimatstaat Kansas auf der Suche nach einem verschwundenen schwarzen Ex-Hollywood-Star. In der gar nicht so beschaulichen Universitätsstadt Lawrence sticht sie in ein Wespennest aus Bio-Tec-Forschung mit dem Potenzial zur Pandemie, Grundstücksspekulation und jenem anhaltenden Alltagsrassismus, mit dem sich nun auch die tiefste Redneck-Provinz auseinandersetzen muss. Und vollkommen plausibel bringt sie sogar noch ein Raketensilo aus dem Kalten Krieg unter, das nun an Prepper verkauft wird. So schafft Paretsky, Jahrgang 1947, es erneut, mit ihrem liebenswerten Old-School-Feminismus der Variante „Alles wie die Männer, bloß besser“ schwergewichtige politische Themen mit einer rasanten Krimigeschichte aufzupeppen. Und auch wenn das Simplifizieren zur Norm an der Spitze der US-amerikanischen Politik geworden ist, bleibt sie streng bei den Umwegen auf der Suche nach Wahrheit.

Sara Paretsky: Altlasten. Kriminalroman. Deutsch von Laudan & Szelinski. Argument, Hamburg 2020.  546 S., 24 Euro