Das Lampenfieber war echt und live zu spüren. Moderatorin Britta Steffenhagen wirkte anfangs überdreht vor der Kamera, ihr Kollege Marco Seiffert kam leicht ins Stottern. Doch mit dem begeisterten Applaus der rund 150 Zuschauer am Donnerstag im Pier Nord des immer noch unfertigen neuen Hauptstadtflughafens BER kam die neue RBB-Livesendung „Abendshow“, die ernsthaften Journalismus mit Unterhaltung und Satire verbinden will, zunehmend in Schwung.

Es folgte eine Kaskade von Witzen über den Niedergang der einstigen Flug-Hauptstadt Berlin, die es weder schafft einen Airport (BER) zu eröffnen, noch den anderen (Tegel) zu schließen. An die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin wurde mit roten Schokoherzen erinnert. Sehr lustig war allerdings die Idee, die Studiogäste mit Papierfliegern ein Flughafen-Eröffnungs-Orakel befragen zu lassen. Auf dem Landeteppich gab es Plätze von „Nie“ bis „2023“. Der Flieger von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup landete bei 2020 - ein realistisches Szenario, falls der BER überhaupt öffnet.

Lütke Daldrup wiederholte lediglich seine bekannten Positione

„Fliegen und Berlin passt derzeit nicht so richtig zusammen“, bekannte Lütke Daldrup - und mutierte dann zur Spaßbremse. Der Flughafenchef wiederholte lediglich seine bekannten Positionen, dass Tegel schließen und der BER irgendwann eröffnen müsse.

In die Richtung investigativer Journalismus ging das Thema Drogenmissbrauch, dass in der Show mit einer ernsthaften kurzen Dokumentation über den Fahrer eines „Drogen-Taxis“, einem Interview mit dem Leiter der Berliner Drogenfahndung, Olaf Schremm, und mit DJane Karla Kenya ausgeleuchtet wurde. Da kamen Informationen über die Drogenszene und Warnung vor dem Konsum glaubwürdig zusammen. Seiffert zeigte Gespür, die richtigen Fragen zu stellen - und Steffenhagen sprach mit Karla Kenya über den Drogen-Alltag in den Clubs.

Die "Abendshow" kann sich sicher noch entwickeln

Die „Abendshow“ kann sich nach einem guten Start sicher noch entwickeln. „Die 30. Ausgabe von „Wetten, Dass ...?“ war auch schon etwas anderes als die erste“, hatte Seiffert am Morgen im RBB-Inforadio dazu erklärt - es ist der „Abendshow“ zu wünschen.

Zwischen harter Realität und Satire fühlten sich auch einige der 150 ausgewählten Zuschauer schon, als sie vor der „Abendshow“ durch den immer noch unfertigen Hauptterminal des BER geführt wurden. Besucher-Guide Elisa Niedersätz bemühte sich den Zuschauern eindrücklich zu erläutern, wo sie einchecken, ihren Koffer abholen oder in die S-Bahn und ins Taxi steigen könnten, wenn der BER irgendwann einmal fertig wäre. Sogar die Bildschirme für die Abflüge in Schönefeld und Tegel waren extra in Betrieb genommen.
Die 65-jährige Lehrerin Gabi Riemer aus Berlin-Schöneberg überzeugte das alles nicht. „Das ist so unpersönlich hier“, meinte sie und blickte sich auf der Dauerbaustelle um. „Und es ist erschütternd, dass es hier kaum Aufzüge gibt - ich habe es doch mit den Knien.“

Pfarrer Simon Kunze von der Potsdamer Friedenskirche bewunderte das Design. „Das ist schön Retro - dieses viele braune Holz ist so schön 60er- oder 80er Jahre.“ Und seine Frau Lena entdeckte eine positive Seite des BER-Desasters. „Es ist so leer hier, es ist total nett leer - Flughäfen sind sonst immer so hektisch“, meinte die 40-Jährige. „Aber es ist schon eine absurde Vorstellung, dass das hier schon jahrelang leer steht.“ (Klaus Peters, dpa)