Ingmar Stadelmann widmet sich jetzt immer freitags um 22 Uhr dem ganz normalen Berliner Wahnsinn.
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Die Berliner-Kabarettbühnen kämpfen derzeit um jeden Platz und um jeden Gast. So starten die Stachelschweine mit einem „Upload“ ihres Programms „Überall ist besser als nichts“. Der RBB hat es mit seinem Satireformat leichter: Die „Abendshow“ darf zwar wegen der Abstandsregeln nur 26 Zuschauer in seinen neuen Spielort in der RBB-Dachlounge holen – spielt aber vor allem für die Leute vorm Bildschirm.

Doch das waren im Frühjahr nur unwesentlich mehr als im Saal. Die Quoten donnerstags um 20.15 Uhr konnten nie an die hohen Werte der Nachrichtensendung „Abendschau“ anknüpfen, lagen noch unter dem schwachen RBB-Schnitt. Vom 28. August an aber soll die Satireshow neu durchstarten: Nicht nur an einem neuen Ort, sondern zu einer späteren Zeit an einem späteren Wochentag – freitags um 22 Uhr, also genau vor der „heute-show“ im ZDF, die allerdings erst im September aus ihrer überlangen Sommerpause kommt.

Die „Abendshow“ erwies sich als Flop

Die Sendung werde völlig neu aufgeladen, verspricht Robert Skuppin. Der Radioeins-Chef ist derzeit verantwortlich für Unterhaltung und junge Formate im RBB. Eine klarere Kante kündigt der neue Redaktionsleiter Jan Hendrik Becker an. Doch eigentlich will die „Abendshow“ nach einigen Irrwegen nur dorthin gehen, wo erfolgreiche Satireformate wie „Extra 3“ schon lange sind. Beim NDR wird seit jeher der „Irrsinn der Woche“ gesucht, der RBB will sich künftig dem „Wahnsinn der Woche“ verschreiben. Moderator Ingmar Stadelmann freut sich über die komfortable Situation, dass ihm hier die Reporter und Autoren des RBB die Vorlagen liefern, auf die er seine Gags als „Toppings“ setzen muss.

Patricia Schlesinger, Intendantin des RBB, spricht auf der Jahrespressekonferenz vom Rundfunk Berlin-Brandenburg am 24. Januar 2019.
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Vor drei Jahren hatte der RBB mit seiner „Abendshow“ noch etwas Neues kreieren wollen. Der Hybrid aus Gesellschaftsmagazin und Spielshow sollte eine zentrale Rolle im runderneuerten TV-Programm der Intendantin Patricia Schlesinger einnehmen. Doch die Show erwies sich von Beginn an als Flop. Weder das unausgegorene Format noch das ungleiche Moderatorenduo Britta Steffenhagen und Marco Seiffert überzeugten.

Satire kann zum Hit der Mediatheken werden

Ende 2019 übernahm der bühnenerfahrene Comedian Ingmar Stadelmann die Moderation, doch sein sehr viel speziellerer Humor kam beim 20.15-Uhr-Publikum noch weniger an. Von Beginn an drängte Stadelmann auf einen späteren Sendetermin. Von der „heute-show“ im ZDF will er seine Sendung aber durchaus abgrenzen: „Wir haben keine durchgeskripteten Sketche, wollen in den Interviews spontan bleiben.“ In den Einspielszenen wird Carsten van Ryssen zu sehen sein, bisher der „Sidekick“ von Stadelmann, früher bei der „heute-show“. Auf eine Band wird angesichts der knapperen Sendezeit verzichtet, statt einer Dreiviertel-Stunde ist die neue „Abendshow“ nur eine halbe Stunde lang. Zum Neustart kommt der Musiker Dieter Meier, bekannt als Hälfte von Yello.

Quotenvorgaben hat das Team vom Sender nicht bekommen, wohl aber den Auftrag, sich stärker trimedial zu verbreiten. Gerade Satire werde im Netz gut abgerufen und erreiche ein jüngeres Publikum, betont Robert Skuppin und verweist auf das RBB-Format „Chez Krömer“, das bis Mitte März lief und sich zum Hit in der Mediathek entwickelte – natürlich auch, weil alle Bühnen schließen mussten.

„Die Abendshow“ – ab 28.8. immer freitags um 22 Uhr im RBB.